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Pendler dürfen verkehrsgünstigen Umweg steuerlich absetzen

08.02.2012 | 13:17 Uhr
Pendler dürfen verkehrsgünstigen Umweg steuerlich absetzen
Beliebte Pendlerstrecke A3. Foto: Matthias Graben / WAZ FotoPool

München.   Gute Nachricht für Pendler: Das Finanzamt muss bei der Pendlerpauschale auch einen Umweg anerkennen, wenn dieser insgesamt verkehrsgünstiger ist. Das geht aus einem Urteil des Bundesfinanzhofs hervor.

Pendler dürfen nicht nur den kürzesten Weg zur Arbeit steuerlich geltend machen. Ist eine längere Strecke „offensichtlich verkehrsgünstiger“, können sie auch diese nutzen und als Grundlage ihrer Pendlerpauschale angeben, wie aus zwei am Mittwoch veröffentlichten Entscheidungen des Bundesfinanzhofs in München hervorgeht.

Dabei kann bereits eine geringe Zeitersparnis reichen. Frühere Urteile niedrigerer Instanzen, denen zufolge die längere Strecke mindestens 20 Minuten schneller sein müsse, fänden hier keine Anwendung, erklärte das höchste deutsche Steuergericht. Wäre dies der Fall, würden die Fahrer kurzer Strecken benachteiligt.

Zeitersparnis nicht allein entscheidend

Als „offensichtlich verkehrsgünstiger“ gilt eine Strecke nach Einschätzung der Richter dann, „wenn ihre Vorteilhaftigkeit so auf der Hand liegt, dass sich auch ein unvoreingenommener, verständiger Verkehrsteilnehmer unter den gegebenen Verkehrsverhältnissen für die Benutzung der Strecke entschieden hätte“.

Ausschlaggebend könnten aber auch andere Gründe wie bessere Ampelschaltungen oder Streckenführung sein, während eine minimale Zeitersparnis nicht zwingend das entscheidende Argument sei. Letztlich müsse im Einzelfall entschieden werden. In jedem Fall dürften aber nur die Kosten der tatsächlich gefahrenen Strecke abgesetzt werden.

Durchschnittlicher Arbeitsweg 15 Kilometer

Der Weg zur Arbeit darf aktuell ab dem ersten Kilometer steuerlich abgesetzt werden, und zwar mit 30 Cent pro Kilometer einfacher Entfernung. Die zwischenzeitliche Kürzung der Pendlerpauschale hatte das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe im Dezember 2008 gekippt.

Der Staat hatte damals bei der Entfernungspauschale den Rotstift gezückt und den Weg zur Arbeit für etwa 15 Millionen Arbeitnehmer empfindlich teurer gemacht. Fahrtkosten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz sollten nur noch ab dem 21. Kilometer in die Steuer gepackt werden können. Dem Fiskus hätte die Kürzung jährlich 2,5 Milliarden Euro gebracht, den betroffenen Berufspendlern dagegen empfindliche Steuernachteile um bis zu 600 Euro im Jahr. Nach Berechnungen des ADAC fahren Pendler im Schnitt 15 Kilometer zu ihrer Arbeitsstätte. (Aktenzeichen: VI R 19/11 und VI R 46/10) (dapd)

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