Motoren als gäbe es (k)ein Morgen

Leistung satt, satter Verbrauch: Das Mercedes C63 AMG Coupé gönnte sich fast 17 Liter auf 100 Kilometern. Foto: Felix Heyder / WAZ FotoPool
Leistung satt, satter Verbrauch: Das Mercedes C63 AMG Coupé gönnte sich fast 17 Liter auf 100 Kilometern. Foto: Felix Heyder / WAZ FotoPool
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Zwei Premiumhersteller, zwei verschiedene Motorenkonzepte: Mercedes setzt im C-Coupé noch auf einen spritvernichtenden hochdrehenden Riesen-Achtzylinder. Bei BMW hat die Zukunft kleiner Turbos schon begonnen – zum Beispiel im 328i.

Zugegeben, dieser Vergleich hinkt. Zwei deutsche Premiumhersteller, zwei Motorenkonzepte, zwei Welten, was Leistungsentfaltung und Spritverbrauch betrifft. Und doch ist es an der Zeit, diesen Vergleich zu ziehen. Weil weniger Hubraum längst nicht mehr zwangsläufig weniger Fahrspaß bedeuten muss. Das beweist der neue BMW 328i. Der 245 PS starke Vierzylinder mit nur zwei Liter Hubraum muss sich gegen das C-Klasse-Coupé beweisen – in der AMG-Version mit 6,2 Liter großem Achtzylinder und 487 Pferdestärken – je nach vorgewählter Einstellung Fahrmaschine oder komfortables Reisecoupé.

„Der Tankwart ist mein bester Freund, hui, wenn ich komm, wie der sich freut“, sang ein gewisser Markus 1982. Der Mann saß im Maserati, hätte aber auch im Mercedes C63 AMG sitzen können. Fast 17 Liter zieht sich der hochdrehende Achtzylinder des bei 280 km/h abregelnden Coupés rein. Der BMW gibt sich bescheidener: 8,5 Liter stehen am Ende auf der Uhr, Schluss ist beim 328i bei 250. Elektronisch begrenzt. Gut, der BMW braucht immerhin etwas mehr als sechs Sekunden auf 100, der Benz das in flotten 4,3 Sekunden. Doch vermittelt der Münchener seinem Fahrer nicht das Gefühl, irgendetwas zu vermissen.

Gelungene Mischung aus Komfort und Sport

Der Dreier bleibt sich treu: eine gelungene Mischung aus Komfort und Sportlichkeit. Acht-Stufen-Sportautomatik mit Lenkradschaltung und dem aus dem Fünfer bekannten Bedienkomfort. Die Sportsitze sind nicht zu knapp bemessen, so dass auch längere Strecken damit nicht zur Geduldsprobe für die Wirbelsäule werden. Und er bleibt jederzeit beherrschbar, sogar bei ausgeschalteten Assistenzsystemen. Mindestens 40 000 Euro ruft BMW für den 328i mit Automatik auf. Dafür gibt’s eine kompakte Limousine, die zurzeit wohl ihresgleichen sucht.

Dreier-Fans werden vermutlich nur eines vermissen: das seidige Hochdrehen eines Reihensechszylinders. Der war beim Vorgänger immerhin noch ab dem 325i Standard. In der neuen Dreier-Generation gibt’s sechs Zylinder nur noch im 335i. Der 328i setzt auf vier Zylinder und Leistung durch Turboaufladung. Fast lautlos dreht der Benziner auf, erst ab 4000 Umdrehungen erlaubt sich das Aggregat einen Hauch von Kernigkeit.

Der Mercedes macht mächtig Luft

Anders der Mercedes: Nach dem Drehen des Zündschlüssels drückt der Achtzylinder mächtig Luft durch die vier riesigen Endrohre. Rooarrr! Ein Vorgeschmack auf das, was da folgt. Auf den AMG-Mercedes passt wohl am besten eine gerade in Autotests viel strapazierte Redewendung: Er ist ein Wolf im Schafspelz. Äußerlich unterscheidet er sich halbwegs dezent von den normalen Versionen, deren einfachste mit 156 PS auskommen muss.

Das 1,7 Tonnen schwere und fast 80 000 Euro teure AMG-Coupé legt den Sprint auf 200 in etwas mehr als zwölf Sekunden hin. Der V8-Sauger sorgt für den dazu passenden Klangteppich. Ein Brüllen, ein Fauchen, der Aufschrei eines Dinosauriers vorm Aussterben. Der neue AMG-Motor aus dem SL63 AMG hat „nur“ noch 5,5 Liter Hubraum – mit Turbo, wie bei BMW. Aber mit 537 PS. Am Durst wird noch gearbeitet.

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