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Motorentechnik

Motoren als gäbe es (k)ein Morgen

09.07.2012 | 10:38 Uhr
Motoren als gäbe es (k)ein Morgen
Leistung satt, satter Verbrauch: Das Mercedes C63 AMG Coupé gönnte sich fast 17 Liter auf 100 Kilometern. Foto: Felix Heyder / WAZ FotoPool

Zwei Premiumhersteller, zwei verschiedene Motorenkonzepte: Mercedes setzt im C-Coupé noch auf einen spritvernichtenden hochdrehenden Riesen-Achtzylinder. Bei BMW hat die Zukunft kleiner Turbos schon begonnen – zum Beispiel im 328i.

Zugegeben, dieser Vergleich hinkt. Zwei deutsche Premiumhersteller, zwei Motorenkonzepte, zwei Welten, was Leistungsentfaltung und Spritverbrauch betrifft. Und doch ist es an der Zeit, diesen Vergleich zu ziehen. Weil weniger Hubraum längst nicht mehr zwangsläufig weniger Fahrspaß bedeuten muss. Das beweist der neue BMW 328i. Der 245 PS starke Vierzylinder mit nur zwei Liter Hubraum muss sich gegen das C-Klasse-Coupé beweisen – in der AMG-Version mit 6,2 Liter großem Achtzylinder und 487 Pferdestärken – je nach vorgewählter Einstellung Fahrmaschine oder komfortables Reisecoupé.

„Der Tankwart ist mein bester Freund, hui, wenn ich komm, wie der sich freut“, sang ein gewisser Markus 1982. Der Mann saß im Maserati, hätte aber auch im Mercedes C63 AMG sitzen können. Fast 17 Liter zieht sich der hochdrehende Achtzylinder des bei 280 km/h abregelnden Coupés rein. Der BMW gibt sich bescheidener: 8,5 Liter stehen am Ende auf der Uhr, Schluss ist beim 328i bei 250. Elektronisch begrenzt. Gut, der BMW braucht immerhin etwas mehr als sechs Sekunden auf 100, der Benz das in flotten 4,3 Sekunden. Doch vermittelt der Münchener seinem Fahrer nicht das Gefühl, irgendetwas zu vermissen.

Gelungene Mischung aus Komfort und Sport

Gibt sich beim Spritverbrauch deutlich bescheidener als der Mercedes: BMW 328i mit Zwei-Liter-Turbo-Motor und immerhin 245 PS. Foto: Reuters

Der Dreier bleibt sich treu: eine gelungene Mischung aus Komfort und Sportlichkeit. Acht-Stufen-Sportautomatik mit Lenkradschaltung und dem aus dem Fünfer bekannten Bedienkomfort. Die Sportsitze sind nicht zu knapp bemessen, so dass auch längere Strecken damit nicht zur Geduldsprobe für die Wirbelsäule werden. Und er bleibt jederzeit beherrschbar, sogar bei ausgeschalteten Assistenzsystemen. Mindestens 40 000 Euro ruft BMW für den 328i mit Automatik auf. Dafür gibt’s eine kompakte Limousine, die zurzeit wohl ihresgleichen sucht.

Dreier-Fans werden vermutlich nur eines vermissen: das seidige Hochdrehen eines Reihensechszylinders. Der war beim Vorgänger immerhin noch ab dem 325i Standard. In der neuen Dreier-Generation gibt’s sechs Zylinder nur noch im 335i. Der 328i setzt auf vier Zylinder und Leistung durch Turboaufladung. Fast lautlos dreht der Benziner auf, erst ab 4000 Umdrehungen erlaubt sich das Aggregat einen Hauch von Kernigkeit.

Der Mercedes macht mächtig Luft

Anders der Mercedes: Nach dem Drehen des Zündschlüssels drückt der Achtzylinder mächtig Luft durch die vier riesigen Endrohre. Rooarrr! Ein Vorgeschmack auf das, was da folgt. Auf den AMG-Mercedes passt wohl am besten eine gerade in Autotests viel strapazierte Redewendung: Er ist ein Wolf im Schafspelz. Äußerlich unterscheidet er sich halbwegs dezent von den normalen Versionen, deren einfachste mit 156 PS auskommen muss.

Das 1,7 Tonnen schwere und fast 80 000 Euro teure AMG-Coupé legt den Sprint auf 200 in etwas mehr als zwölf Sekunden hin. Der V8-Sauger sorgt für den dazu passenden Klangteppich. Ein Brüllen, ein Fauchen, der Aufschrei eines Dinosauriers vorm Aussterben. Der neue AMG-Motor aus dem SL63 AMG hat „nur“ noch 5,5 Liter Hubraum – mit Turbo, wie bei BMW. Aber mit 537 PS. Am Durst wird noch gearbeitet.

Noch mehr zu Motorkonzepten: Hohe PS-Leistung - wenig Verbrauch

Sven Frohwein



Kommentare
10.07.2012
11:46
Motoren als gäbe es (k)ein Morgen
von fuffzigpfennig | #2

Die Kritiken über den neuen 2L im 328i sind ja durchweg gut, auch wenn die fehlende Laufruhe eines R6 häufig bemängelt wird. Aus diesem Grund gehört da eigentlich auch ein 3L Sechszylinder rein, gerade in der Preisklasse!

BMW! Bitte beenden Sie diesen Downsizing-Schwachsinn!

2 Antworten
Motoren als gäbe es (k)ein Morgen
von captainkawa | #2-1

Volle Zustimmung!
Der Motor kann noch so gut sein, einen Reihensechser kann er nie und nimmer ersetzen. Der "kleinste" 6-Zyl. ist gegenwärtig der 335i mit 306 PS(!).
Aber noch viel schlimmer ist für mich als absoluter BMW Anhänger, dass diese Motoren allesamt künstlich aufgeladen werden.
Ich will keinen 4-Zylinder im 3er oder 5er, ich will keinen Turbo oder Twin-Turbo, ich will auch keinen Turbodiesel als Tri-Turbo - ich möchte einen freisaugenden Reihensechser, ála 330i oder 530i. So baut man Motore!
Und das allerschlimmste ist, dass dieser Downsizing Quatsch nur für die Prospektangaben taugt. In der Praxis fressen die Turbos 100km/h eh wie die Sauger.
Zum Teufel mit diesem saudummen EU-Zykluss mit wunderbaren CO2 Werten, die nur auf einem Prüfstand erreicht werden, um dann im Prospekt zu glänzen.
Sehr ärgerlich das Ganze!

Motoren als gäbe es (k)ein Morgen
von fuffzigpfennig | #2-2

Ebenfalls volle Zustimmung!

Normalerweise fühle ich mich ab 250PS ausreichend motorisiert, aber die Leistung in Kombination mit einem aufgeblasenen 2L Vierzylinder kommt für mich nicht Frage! Dieses Motorenkonzept hat zur Folge, daß ich nach ebenfalls langjähriger BMW-Treue mittlerweile immer öfter über den großen Teich schiele, obwohl meine nächste Neuanschaffung noch ein wenig Zeit hat. Dort bekomme ich zum Preis eines halbwegs gut ausgestatteten 320d einen waschechten Hemi V8, mit Gasumbau und je nach Modell evtl. LKW-Zulassung sogar fast genauso wirtschaftlich.

Die Maxime "Hubraum ist durch nichts zu ersetzen, außer durch noch mehr Hubraum" gilt auch weiterhin. Und wenn die ersten hochgezüchteten Motoren reihenweise bei weniger als 150.000 km platzen, werden sich hoffentlich auch die deutschen Autobauer wieder an diese Erkenntnis erinnern.

10.07.2012
08:39
Motoren als gäbe es (k)ein Morgen
von captainkawa | #1

Ein Vergleich zwischen dem Motorenkonzept Fiat 2-Zylinder in Reihe und Bugatti 16-Zylinder wäre aufschlussreicher ..... ^^

1 Antwort
Motoren als gäbe es (k)ein Morgen
von Ismet | #1-1

Sie haben völlig Recht.
Abgesehen davon, hätt ich beide gern In meinem Auffahrt stehen :-)

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