Missbrauch der Abwrackprämie wird erschwert
20.02.2009 | 15:02 Uhr 2009-02-20T15:02:00+0100
Berlin. Der Missbrauch der Abwrackprämie wird erschwert: Autokäufer müssen nun auch das entwertete Original des Fahrzeugbriefs einreichen. Wer die Abwrackprämie für den Kauf eines neuen Autos nutzt, kann zurzeit zusätzlich bei der Versicherung auf Rabatte hoffen.
Autokäufer, die in Genuss der 2.500 Euro für die Verschrottung ihres alten Wagens kommen wollen, müssen künftig nicht nur die Zulassungspapiere einreichen, sondern auch das entwertete Original des Fahrzeugbriefs. Wie das Wirtschaftsministerium am Freitag mitteilte, gilt diese Neuerung voraussichtlich ab dem 2. März.
Die Bundesregierung hat 1,5 Milliarden Euro für die sogenannte Umweltprämie bereitgestellt. Das reicht für die Verschrottung von rund 600.000 Altautos. Anträge können bis zum 31. Dezember gestellt werden, doch steht zu befürchten, dass die Summe vorher aufgebraucht ist.
Mit der Verabschiedung des Konjunkturpaketes II im Bundesrat wurde auch die Neuerung beschlossen, die Missbrauch verhindern soll. Die Vorlage des entwerteten Kraftfahrzeugbriefes beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) soll verhindern, dass angeblich verschrottete Autos weiter genutzt werden.
Abwrackprämie führt zu Rabatten bei Kfz-Versicherungen
Wer die Abwrackprämie für den Kauf eines neuen Autos nutzt, kann zurzeit zusätzlich bei der Versicherung auf Rabatte hoffen. Die Versicherer versuchen, auf der von der staatlichen Prämie angeschobenen Welle an Neuwagenkäufen mitzuschwimmen. Sie verzeichnen eine gestiegene Nachfrage und werben mit neuen Angeboten. Verbraucherschützer raten allerdings zu Vorsicht.
Die Abwrackprämie beflügelt offensichtlich nicht nur die Nachfrage nach neuen Autos, sondern auch das Interesse an Versicherungen für den Neuwagen. Die Zahl der Anträge auf die 2.500 Euro nähert sich der Marke von 100.000: Am Freitag lag sie nach Angaben des zuständigen Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle bei 94.691. Gleichzeitig berichten die Kfz-Versicherer von einer deutlich höheren Nachfrage.
Von Mitte Januar, seit die Anträge gestellt werden können, bis Mitte Februar verzeichnete Marktführer Allianz 30 Prozent mehr Angebotsabfragen als im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres. Bei bestimmten Produkten wie einem Gesamtpaket aus Autofinanzierung und Versicherung habe sich die Nachfrage vervierfacht. «Wir sehen das im Zusammenhang mit der Abwrackprämie», sagte Sprecher Christian Weishuber der Nachrichtenagentur AP.
130 Prozent mehr Angebote
In den Geschäftsstellen von HUK-Coburg wurden laut dem zweitgrößten deutschen Kfz-Versicherer seit dem 15. Januar 130 Prozent mehr Versicherungsangebote für Neu- und Jahreswagen errechnet. Gefragteste Baureihen seien VW Golf, Skoda Fabia und VW Polo, bei den Anfragen im Internet führe der Dacia Sandero das Feld an.
Die Anbieter versuchen, von der staatlichen Konjunkturspritze zu profitieren. «Die Abwrackprämie wird gezielt als Marketinginstrument eingesetzt, es gibt Rabatte», sagte ADAC-Sprecher Jürgen Grieving. Die Ergo-Gruppe, zu der Hamburg-Mannheimer, Victoria und D.A.S. gehören, bestätigt, die Prämie in der Werbung zu nutzen. Seit deren Einführung gewähre man für besonders umweltfreundliche Autos einen Ökotarif, der zehn Prozent unter den herkömmlichen Policen liege. DEVK beispielsweise wirbt damit, ab 1. März verbesserte Rabatte für Neuwagen zu bieten.
Die Versicherer reagieren damit darauf, dass Verbraucher bei einem Wechsel des Fahrzeugs grundsätzlich auch die Versicherung wechseln können, wie ADAC-Sprecher Grieving erklärte. Dazu kommt nach Einschätzung von Thorsten Rudnik, Sprecher des Bundes der Versicherten, dass die meisten alten Wagen, die nun verschrottet werden sollen, wohl nur Haftpflicht-versichert waren. Für das neue Auto dürften sich die meisten aber eine Kasko-Versicherung zulegen, wobei Rudnik die Vollkasko empfiehlt.
Bedingungen für Rabatte prüfen
Autokäufer sollten Rabatte allerdings nicht bedenkenlos in Anspruch nehmen, warnt der Sprecher. Das Angebot könne an Bedingungen geknüpft sein, bei denen genau zu überlegen sei, ob man sie auch einhält. «Ansonsten drohen empfindliche Vertragsstrafen bis zum doppelten Jahresbeitrag», sagte Rudnik. ADAC-Sprecher Grieving riet, verschiedene Angebote einzuholen und zu vergleichen. Viele Versicherer arbeiteten mit Autohäusern zusammen und böten dann Gesamtpakete mit Finanzierung an, sagte Grieving. «Dann muss man genau rechnen, ob das günstiger kommt.»
Die Umweltprämie von 2.500 Euro können private Autohalter beantragen, die noch dieses Jahr ihr mindestens neun Jahre altes Auto stilllegen und dafür einen Neu- oder Jahreswagen kaufen und zulassen. Der alte Wagen muss ihnen zuvor mindestens ein Jahr gehört haben. Außerdem gilt bis zum 30. Juni 2009 eine Steuerbefreiung für neu erworbene Autos. Käufer müssen ein Jahr lang keine Steuer zahlen. Erfüllt der Wagen die Abgasnormen Euro-5 oder Euro-6, gilt die Befreiung sogar zwei Jahre lang - in jedem Fall aber nur bis Ende 2010. (AP)
18:30
Es ist sehr schade, dass diese Autos alle verschrottet werden müssen. Gerdae in Afrika könnte man viele Menschen mit einer Million Autos glücklich machen. Die Verschrottungsprämie ist menschlich-ethisch ein vollkommen unmoralisches Ding !