„Zoci verendete auf der B1“
25.01.2012 | 21:29 Uhr 2012-01-25T21:29:00+0100
„Es war im Jahr 1966 und das Auto meines Schwiegervaters war in die Jahre gekommen. Es war ein Zodiac, ein englischer Ford. Er hatte sechs Zylinder, 90 PS und fuhr 150 Kilometer in der Stunde. Mein Schwiegervater bestellte sich ein neues Auto und wollte dafür seinen Zoci, wie wir ihn nannten, in Zahlung geben.
Vom Händler erfuhr er aber, dass er einen größeren Preisnachlass bekäme, wenn er das alte Auto nicht in Zahlung nehmen musste. Da ließ sich mein Schwiegervater nicht lange lumpen und schenkte uns Zoci zu Weihnachten.
Es war unser erstes Auto und wir freuten uns sehr, doch schon bald trat das erste gravierende Problem auf, der Rückwärtsgang ließ sich nicht mehr einlegen. Es bedurfte einer genauesten Streckenplanung, denn es kamen nur noch Parkplätze in Frage, die man vorwärts anfahren und auch so wieder verlassen konnte – was 1966 ein noch zu bewältigendes Problem war.
Dann spielte uns der Zufall einen Zodiac-Motor aus einem Unfallwagen in die Hände. Es dauerte fast vier Wochen, bis mein Mann ein neues funktionsfähiges Getriebe zusammengebastelt hatte. Zoci fuhr ein Jahr fast problemlos, und wenn wir beim Überholen auf den ,Overdrive’ zurückgriffen, ernteten wir erstaunte und bewundernde Blicke.
Dann wurden wir übermütig und planten mit Freunden eine Reise durch Norwegen, die mit ihrem Käfer, wir mit unserem Zoci. Die Reise verlief ohne größere Pannen, wir schafften die Heimreise bis Osnabrück, da fing unser Motor an zu stottern und gab ganz komische Geräusche von sich.
Wir verließen unsere Freunde und die Autobahn und ruckelten auf Landstraßen weiter. Die langwierig reparierte Gangschaltung gab ihren Geist auf, Zoci ließ sich nur noch im dritten Gang anfahren, was vor allem an Ampelkreuzungen sehr schwierige Situationen hervorbrachte.
Mitten in Dortmund auf der Bundesstraße 1 war dann endgültig Schluss. Es krachte ganz fürchterlich, dann blieb Zoci ruckartig stehen und gab keinen Mucks mehr von sich – nicht das leiseste Lebenszeichen. Es gab ein Hupkonzert, einen Stau und jede Menge Zuschauer. Ein Polizist rief einen Abschleppwagen, der unser geliebtes Auto zu einem Schrottplatz transportierte.
Es war eine traurige Fahrt. Aber immerhin – wir hatten Norwegen gesehen und uns war nichts passiert. 50 DM gab es bar auf die Hand als Schrottwert, damit organisierten wir unsere weitere Heimreise bis Essen.“
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