Das aktuelle Wetter NRW 3°C
Golf L von 1975

„Mein guter Grüner ging noch an einen Fahranfänger“

19.12.2011 | 14:28 Uhr
„Mein guter Grüner ging noch an einen Fahranfänger“
Vom Parkstadion-Parkplatz aus in die große Welt Deutschlands startete Cornelia Grote und ihr Golf vor 30 Jahren.

„Wir schreiben das Jahr 1981. Ich hatte schon vor meinem 18. Geburtstag mit dem Führerschein begonnen. Auf dem Parkplatz vor unserem Haus wartete mein erstes eigenes Auto, das ich mir zusammengespart hatte.

Ein Cliff- grüner Golf L Baujahr 1975!

Dann kam der Tag der Führerscheinprüfung. Ich war gerade 18 Jahre alt geworden. Leider bin ich beim ersten Mal durchgefallen. Traurig sah ich jeden Tag zum Parkplatz hinüber. Dann endlich hatte ich meinen ersehnten “grauen Lappen”, wie man damals den Führerschein liebevoll nannte.

Ich hatte mir vorgenommen mit meinem ersten Auto durch ganz Deutschland zu reisen. Also schaffte ich mir einen Jugendherbergsausweis an und auf ging es. Es war eine herrliche Zeit. An jedem freien Wochenende und natürlich im Urlaub war ich auf Rundreise. Die Routen arbeitete ich alleine aus, bald war mein Auto voller Aufkleber der schönsten Orte in ganz Deutschland. Unzählige Dias und Bilder füllten meine Schränke und Schubladen. Meine Spiegelreflexkamera mit zahlreichen Wechselobjektiven war neben meinem Auto mein ganzer Stolz.

Einmal wäre unsere gemeinsame Zeit jäh zu Ende gewesen. Auf einer Reise nach Bergenhusen (Storchendorf) begleitete mich meine Mutter. Dann sah ich sie. Auf einer Straße mit Gefälle befanden sich unzählige Nester mit Störchen. Begeistert sprang ich aus dem Wagen um zu fotografieren. Leider hatte ich vergessen die Handbremse anzuziehen und einen Gang einzulegen. Meine Mutter, die sich mit Autos überhaupt nicht auskannte, ließ ich im Auto zurück.

Mein Golf samt meiner im Auto sitzenden Mutter setzte sich in Bewegung und rollte erst langsam, dann immer schneller werdend die Straße hinunter. Ich lief nebenher, wild gestikulierend und versuchte meiner Mutter zu erklären, das sie den Knüppel zwischen den Sitzen greifen und nach oben ziehen soll.

Ca. zwei Meter vor einem parkenden Auto fand sie die Handbremse und brachte meinen Wagen zum stehen. Wir kamen noch einmal mit dem Schreck davon. In späteren Jahren war die Geschichte fest etabliert, wenn Mutter und ich zusammen saßen und von unseren gemeinsamen Fahrten sprachen.

Mit meinem inzwischen 15 Jahre alten Golf wollte ich 1990 die neuen Bundesländer erobern. Ohne Murren ging es über teilweise abenteuerliche Straßen durch die neuen Bundesländer. Man nahm uns sehr freundlich auf und unser Auto wurde häufig fotografiert und bestaunt!

1995 führte uns unsere letzte gemeinsame Reise in die Lüneburger Heide. Mein grüner war noch sechs Monate TÜV- frei und inzwischen 20 Jahre alt. Kaum in Gelsenkirchen angekommen, riss der Bremszug. Was für ein Glück, dass wir schon wieder zu Hause waren. Nun war klar, dass die gemeinsame Zeit langsam abläuft.

Ich hatte mein erstes Auto gehegt und gepflegt. Der Wagen hatte kaum Rost, der Lack glänzte. Mein VW- Händler sagte immer ,Frau Grote, Sie sind ein Alptraum für jeden Autohändler’.

Wir wollten zusammenbleiben bis dass der TÜV uns scheidet! Ich wusste genau - beim nächsten mal wird er es nicht mehr schaffen, die begehrte Plakette für zwei weitere Jahre zu bekommen. Die Fahrt zum Schrottplatz wollte ich mir ersparen. Zu viele schöne Erinnerungen hatten mich mit diesem Auto verbunden !

Für 50,- DM wechselte mein Grüner zum letzten mal den Besitzer. Ich gebe zu, dass ich ein paar Tränen verdrückt habe. Ein Fahranfänger, der ihn noch ein paar Monate fuhr, kaufte ihn! Das Lenkrad baute er aus und setzte ein Sportlenkrad ein. Das Originallenkrad habe ich noch heute in meinem Wohnzimmer. Es hat einen Ehrenplatz neben einem Modellgolf in Originalfarbe!

Seither habe ich einige Autos besessen. Mein erstes Auto bleibt aber immer etwas besonderes für mich.“

Cornelia Grote

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6177145/create

Aus dem Ressort
„Meine Rost-Ente zum Schrott geschoben“
Meine letzte Fahrt
„Gegen den ausdrücklichen Willen meiner Eltern und auf ausdrückliches Betreiben meiner damaligen Freundin schaffte ich mir 1966 mein erstes Wunsch-Auto an: eine fesche 2CV-Kombi-Ente, froschgrün mit satten 26 PS.
„Blitzeis war das Ende meines Kadett C“
Meine letzte Fahrt
„Es war der Rosenmontag 1995, ganz Bochum bereitet sich auf den Höhepunkt der fünften Jahreszeit vor, ich aber machte mich morgens auf den Weg nach Herne, wo ich eine Umschulung machte.
Foto