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Jeder zweite Berufstätige in NRW pendelt zur Arbeit

22.02.2012 | 15:01 Uhr
Jeder zweite Berufstätige in NRW pendelt zur Arbeit
Jeder zweite Werktätige in NRW pendelt zur Arbeit. Viele legen dabei mehr als 20 Kilometer je Strecke zurück.Foto: dapd

Düsseldorf.   Den Benzinpreisen zum Trotz steigt die Zahl der Pendler immer weiter. Jeder zweite Berufstätige in NRW arbeitete 2010 nicht in dem Ort, in dem er wohnte. Unter den Großstädten arbeiten in Düsseldorf die meisten Berufspendler, landesweit hat Holzwickede im Kreis Unna die höchste Quote.

Karin Schmied kam sich immer so vor, als schwimme sie gegen den Strom: Die 32-jährige Angestellte lebt in Düsseldorf aber arbeitete im vergangenen Jahr befristet im münsterländischen Borken. Die 80 Kilometer zur Arbeit pendelte sie mit dem Wagen. So wie Karin Schmied (Name geändert) pendeln jeden Tag über vier Millionen Erwerbstätige in NRW von Wohnort zur Arbeit und wieder zurück. Dabei ist Düsseldorf laut der am Mittwoch veröffentlichten NRW-Pendlerstatistik 2010 unter den Großstädten in NRW Pendler-Ziel Nummer 1.

Die Landeshauptstadt ist werktags jedenfalls fast schon an der Grenze zur Millionen-Metropole: 281.000 Berufstätige strömen jeden Morgen als sogenannte Einpendler nach Düsseldorf; nur etwas mehr als 81.000 Arbeitnehmer, Auszubildende oder Studierende pendeln alltäglich hinaus. Damit liegt Düsseldorf bei der Pendler-Quote mit 58,6 Prozent an der Spitze der Großstädte in NRW. Nur die Bundesstadt Bonn hat mit 54,8 Prozent einen ähnlich hohen Wert. In Essen (46,8 Prozent), Duisburg (44,1 Prozent), Bochum (43,6 Prozent) und Dortmund (43,2 Prozent) sind es deutlich weniger.

Zahl der Pendler wächst und wächst

Insgesamt pendeln offenbar immer mehr Menschen zur Arbeit, wenngleich die Zahlen nach Auskunft der Statistiker schwer vergleichbar sind. „Wir sehen eine Tendenz“, heißt es beispielsweise in der Arbeitsagentur-Regionaldirektion NRW.  Im Vergleich zu 2002 ist die Pendler-Zahl landesweit offenbar um knapp 300.000 gestiegen. Begonnen hat der Trend Ende der 1980er-Jahre. Laut Statistik wuchs die Zahl der Pendler seit 1987 bis 2002 insgesamt um 76 Prozent; die Zahl der Pendlerinnen hatte sich in diesem Zeitraum sogar mehr als verdoppelt (+115 Prozent).

In Holzwickede im Kreis Unna liegt die Pendlerquote aktuell auf dem landesweiten Höhepunkt unter 396 Städten und Gemeinden: 80,1 Prozent der Erwerbstätigen im Ort kommen von außerhalb. Zum Vergleich: In Wuppertal liegt die Quote bei knapp über 33 Prozent und damit auf Platz 388; ein Zeichen, dass die meisten der Berufstätigen in der Schwebebahn-Stadt auch in der Stadt selbst leben.

Wie weit Pendler zum Arbeitsplatz unterwegs sind, dazu gibt es derzeit nur ältere Zahlen von 2008: Demnach legt der Durchschnitts-Beschäftigte 22,7 Kilometer zurück. Die durchschnittlich kürzesten Wege zum Arbeitsplatz hatten die Arbeitnehmer mit Wohnort in Bielefeld (17,2 km) gefolgt von den umliegenden Kreisen Gütersloh (18,2 km) und Herford (18,8 km). Insgesamt gaben  41,4 Prozent der Arbeitnehmer gegenüber dem Finanzamt einen Anfahrtsweg von mehr als 20 Kilometern an. Das deckt sich mit Erkenntnissen der Arbeitsagenturen: „Die Menschen pendeln tendentiell innerhalb einer fest gefügten Grenze, etwa einem Landkreis“, erklärt eine Mitarbeiterin.

Pendeln schadet Gesundheit und Leistungsvermögen

Eine 2010 vom Computer-Riesen IBM beauftragte weltweite Pendlerstudie machte unter anderem die negativen Folgen des Pendelns deutlich. Demnach gab mehr als jeder zweite Befragte an, „dass das Pendeln per PKW ihre Gesundheit negativ beeinflusst habe“. Ein Drittel sei zudem überzeugt davon, „dass durch das tägliche Pendeln ihre Leistungsfähigkeit im Job oder in der Ausbildung gelitten habe“.

Die Entwicklung der Benzinpreise hat offenkundig keinen Einfluss auf die Zahl der Pendler. Das Auto steht für den Weg zur Arbeit am höchsten im Kurs, das zeigen Zahlen aus dem Jahr 2009: Sechs von zehn Arbeitswegen wurden per Auto zurückgelegt; ein Viertel mit dem Fahrrad – wobei diese Statistik auch den Schülerverkehr berücksichtigte. Zwölf Prozent der Pendler wählten Bus oder Bahn.

Dagobert Ernst

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Kommentare
26.02.2012
17:08
Jeder zweite Berufstätige in NRW pendelt zur Arbeit
von mkoerber | #19

Schon in naher Zukunft wird das Jammer zunehmen. Das Benzin wird auch über die 2-€ springen.
und dann taucht die Frage auf, mehr Subventionen für Pendler oder mehr ÖPNV?
Für die Zukunft hilfreicher ist mehr ÖPNV. Aber ob das im POTT durchzusetzen ist ? Zukunftsorientierte Politik ist im POTT nicht wirklich gefragt. Die SPD muß ihre KLIENTEL pflegen und das geht nicht mit Investitionen.

24.02.2012
13:08
Jeder zweite Berufstätige in NRW pendelt zur Arbeit
von LiquidSnake | #18

Bei manchen Kommentaren hier läufts mir eiskalt runter ... aber sowas von.

Bochum ist eine sehr grüne Stadt - auch wenn mir als Wattenscheider natürlich 1909% von dem auf dem Sack geht, was dort entschieden oder geplant wird. Aber trotzdem ist die Stadt im Vergleich zu anderen Städten mit ähnlicher Entwicklungsgeschichte und Größe recht grün.

Ich pendel übrigens jeden Tag von dieser vergleichsweise grünen Stadt 250 km zur Arbeit und am Abend wieder die 250 km zurück - man will ja im Grünen übernachten ;-)

Und ich mache das bewusst nicht mit dem Auto, obwohl mein Diesel sehr genügsam im Verbrauch ist. Aber

a) ist es mir zu anstrengend jeden Monat 10.000 km nur zur Arbeit mit dem Wagen zu fahren und
b) schaffe ich die Strecke mit dem ICE in dem anhängenden ÖPNV in 2.15 Stunden reiner Fahrtzeit.

In der Zeit bin ich mit dem Wagen oft nicht mal auf der A2 angelangt. Daher bleibt der Wagen am Morgen am Bahnhof. Denn da kommt man in WAT so schlecht hin mit dem ÖPNV.

24.02.2012
11:28
Jeder zweite Berufstätige in NRW pendelt zur Arbeit
von MrRuhrgebiet | #17

wirklich ätzend ist allerdings der Egoismus vieler Menschen. Wird der Nahverkehr mal ausgebaut anstatt reduziert wie so oft, wird sofort protestiert. Zu teuer, braucht niemand, der Dreck während der Bauzeit ist unerträglich - so der Tenor. Natürlich, was interessiert den Autofahrer die Straßenbahn. Aber wenn dann die Bezinpreise steigen ist wieder das Geschrei groß. Wenn wir keinen leistungsfähigen ÖPNV haben sind alle auf das Auto angewiesen. Und abhängig von den Ölspekulanten. Weil einige Millionen für den Ausbau des ÖPNV zu viel sind zahlen wir lieber Millarden zusätzlich an die Ölkonzerne. Und hinterlassen unseren Kindern eine Umwelt, in der zu überleben Billionen aufzuwenden sind.
Wohlgemerkt, ich will niemandem das Auto verbieten. Aber etwas Nachdenklichkeit anstatt immer nur zu schimpfen und auf die anderen zu zeigen kann man wohl erwarten.

24.02.2012
11:12
Jeder zweite Berufstätige in NRW pendelt zur Arbeit
von MrRuhrgebiet | #16

Ich fahre schon seit Jahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Düsseldorf. Die meisten Klagen hier kann ich nicht bestätigen. Der Regionalexpress ist in aller Regel pünktlich, von Ausnahmen abgesehen nicht auffallend schmutzig. Auch das die Schaffner unfreundlich sind ist mir noch nicht aufgefallen. Kommt eben auch immer darauf an wie man sich selbst verhält. Natürlich dauert die Faht längen als mit dem Auto, aber im Zug kann ich die Zeit nutzen zum Lesen, Musik hören oder auch einfach mal die Augen schließen. Die Zeit, die ich am Steuer meines Autos sitzen würde ist verloren. Und ich fahre im Zug entspannter. Wenn mich wirklich mal jemand beim Einsteigen abdrängt kann ich dem immer sagen "Halt Dich mal etwas zurück". Auf der Straße ended so etwas regelmäßig in einem Hupkonzert und den Ärger frißt man doch in sich herein.

22.02.2012
20:05
Jeder zweite Berufstätige in NRW pendelt zur Arbeit
von Ruhrius | #15

"Die Entwicklung der Benzinpreise hat offenkundig keinen Einfluss auf die Zahl der Pendler. Das Auto steht für den Weg zur Arbeit am höchsten im Kurs, das zeigen Zahlen aus dem Jahr 2009: Sechs von zehn Arbeitswegen wurden per Auto zurückgelegt."

Wenn diese Daten aus den Steuerdaten ermittelt wurden, sind diese schon wegen der Entfernungspauschale fragwürdig. Ansonsten fehlt es als Alternative besonders im Kernruhrgebiet an attraktiven Massenverkehrsmitteln: städteübergreifend, direkt ohne viel Umsteigerei und zügig, einfach, sicher, faire Preise.

22.02.2012
19:56
Jeder zweite Berufstätige in NRW pendelt zur Arbeit
von notarius | #14

@11 von lospolloshermanos
Wieso " Verbindungen über die Stadtgrenzen hinaus: Nicht machbar, weil geht nicht.".
Nach Oberhausen: S-Bahn 3, Srassenbahn 103, Niederflurbus 136
Nach Duisburg: RE 6, S-Bahn 1, Strassenbahn 901
Nach Essen: RE 1,2; S-Bahn1,3; U 18
Alles ohne umsteigen.

1 Antwort
Jeder zweite Berufstätige in NRW pendelt zur Arbeit
von lospolloshermanos | #14-1

OK. Weitere Verbindungen. Im Sinne der ÖPNV-Katastrophe in MH und einer wirklichen Metropole an der Ruhr. Eben ein Ende von Kirchturmdenken und der Ignoranz in Politik und Verwaltung. Beispiele der letzten Tage:

http://www.derwesten.de/staedte/muelheim/stadt-bleibt-beim-aus-fuer-die-110-id6365887.html#comments

http://www.derwesten.de/staedte/muelheim/verwaltung-lehnt-ringbuslinien-ab-id6382734.html#comments

22.02.2012
19:20
Jeder zweite Berufstätige in NRW pendelt zur Arbeit
von kadiya26 | #13

Ich war von 1985 bis 2010 einer der Düsseldorf-Lemminge. Jeden Tag A3, Kreuz Breitscheid, etc. Und es ist wahr, es ist über die Jahre immer schlimmer geworden. In den 80ern war der Stau die Ausnahme und durch eine halbe Stunde früher losfahren immer zu vermeiden. Zuletzt war der Stau die Regel und durch nicht mehr zu vermeiden (außer durch Sonntagsschichten). Ich bin jeden Tag aufs neue dankbar, dass ich diesem Joch entkommen bin.

ÖPNV war nie eine Alternative, weil mein damaliger Arbeitsgeber in der Peripherie von Düsseldorf ansässig war. Der Zeitaufwand, plus die fehlende Flexibilität mit Bus&Bahn war mit nichts zu kompensieren.

22.02.2012
17:45
Jeder zweite Berufstätige in NRW pendelt zur Arbeit
von Teviona | #12

Ich pendel auch täglich...immer mit der Bahn.
Manchmal stehe ich stunden am Bahnhof, weil nichts kommt.
Im Winter in der eisigen Kälte, im Sommer ohne Klimaanlage.

Alles Gewöhnungssache!
Wenn wir alle ab und zu mal auf die Bahn umsteigen, etwas von unserer Bequemlichkeit ablegen, dann geht es unserer Umwelt auch besser.
Schließlich wollen unsere Kinder auch noch auf diesem Planeten leben.

3 Antworten
Jeder zweite Berufstätige in NRW pendelt zur Arbeit
von fuffzigpfennig | #12-1

Und Sie meinen tatsächlich, die Umwelt und die Zukunft unserer Kinder retten zu können, in dem Sie stundenlang auf Züge warten? Sorry, aber an Naivität kaum zu übertreffen. Mir ist übrigens auch die Gegenwart meiner Kinder wichtig, und deshalb verbringe ich lieber täglich noch einen Teil meiner kostbaren Freizeit mit ihnen, anstatt sie auf Bahnhöfen und in siffigen Zügen zu verschwenden. Ganz abgesehen davon bin ich schneller mit dem Auto bei der Arbeit, als mit dem Bus am nächsten Bahnhof in 20km Entfernung, und das ist auch gut so!

Jeder zweite Berufstätige in NRW pendelt zur Arbeit
von AntonC | #12-2

Schade, das sie nie hören werden was ihre Kinder eines Tages über sie reden werden. Wie sie über sie und ihresgleichen fluchen werden, denn sie haben ihre Zukunft verprasst.

Jeder zweite Berufstätige in NRW pendelt zur Arbeit
von lukas-adrian | #12-3

Meine Meinung! Alles Gewöhnungssache! Leider sind die meisten Menschen zu faul/bequem.
Fahre täglich mit der Bahn, egal ob Schnee oder Hitze.

Vorteile Bahn:
- lesen und einfach abschalten
- Ticket Preisstufe D, kann also am WE bis nach Düsseldorf fahren
- der Umwelt tut das mal gut
- Ersparnis von 60 - 80 EUR im Monat und das sind nur die Spritkosten
- keine Staus auf der A40/A52 ertragen

Nachteile Bahn:
- selten aber wenn dann ärgerliche Verspätungen
- man ist an Zeiten gebunden
- tägl. 2 Std verlorene Zeit
- Züge abends manchmal zu voll

Also für mich ist die Bahn klar vom Vorteil. Mein Auto steht schon seit 1 Woche still. Der wird eh selten benutzt.
Kann mir aber gut vorstellen, dass einige nicht auf das Auto verzichten können, da die keine Anbindungen an die ÖPNV haben. Aber ich erlebe auch, dass Leute mit dem Auto zum Bahnhof fahren und dann in den Zug umsteigen. Muss aber jeder für sich wissen, was ihm wichtiger ist.

22.02.2012
17:20
Jeder zweite Berufstätige in NRW pendelt zur Arbeit
von lospolloshermanos | #11

Man fragt sich ja, woher sowas kommt. Erst gestern zu lesen: Die Verwaltung der Stadt MH befindet den ÖPNV für absolut klasse. Nicht verbesserungswürdig, weil alles super optimal. Verbindungen über die Stadtgrenzen hinaus: Nicht machbar, weil geht nicht. Und genau diese Denke läßt die Menschen lieber im Stau stehen, als unpünktliche, unsaubere, schlecht organisierte Busse und Bahnen zu nutzen. Aber wie gesagt, alles im grünen Bereich. Wenn es nicht die Kunden gäbe...

22.02.2012
16:57
Jeder zweite Berufstätige in NRW pendelt zur Arbeit
von Dittsche | #10


Und das wird sich auch in Zukunft nicht ändern.
Hast du einen Job gefunden, ist dieser meist Zeitbefristet.
Da lohnt sich ein Umzug an den Arbeitsplatz deshalb nicht,
weil man nicht weiss, ob man im nächten Jahr den Arbeitsplatz noch hat.
Also? Pendeln.

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