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In Texas kann Vettel den WM-Titel holen

17.11.2012 | 00:00 Uhr
In Texas kann Vettel den WM-Titel holen
Geht es diesen Sonntag in den USA wieder so spektakulär wie 2005 zu, als in Indianapolis nur sechs Formel-1-Rennwagen starteten. Für Michael Schumacher, der hier noch für Ferrari fuhr, ist es am Sonntag das vorletzte Rennen seiner Karriere.

Nach der sportlichen Glanzleistung des amtierenden F1-Weltmeisters Sebastian Vettel in der Wüste Arabiens ist die Formel 1 über den großen Teich geflogen und gastiert erstmals nach 2007 wieder in den USA.

„Es ist toll, dass wir wieder in den USA sind“, sagt Vettel und erläutert, „die Anlage bietet natürliche Steigungen und Gefälle. Ich erwarte eine schnelle Strecke mit einigen schwierigen Kurven, auf die man sich nicht so leicht einschießen kann.“ Der neue 5,513 Kilometer lange Circuit of the Americas nahe der texanischen Hauptstadt Austin hat 20 Kurven, gefahren wird gegen den Uhrzeigersinn.

Fakt ist, dass eine neue Strecke beim Debüt stets eine erhebliche Herausforderung für die Ingenieure darstellt. Die Teams haben bereits in den Fabriken hart gearbeitet, um für dieses Debüt-Wochenende vorbereitet zu sein. „Wir haben im Simulator mehr als fünf Renndistanzen zurückgelegt, um den Streckenverlauf, die Höhenunterschiede und die G-Kräfte bewerten zu können“, bestätigt Teamchef Ross Brawn (Mercedes AMG), und sein Pilot Nico Rosberg bemerkt, „die Strecke scheint recht abwechslungsreich zu sein. Eine schnelle, gewundene Passage im ersten Sektor, Höhenwechsel mit einer Bergauf-Passage bis zum Gipfel von Kurve eins und ein langsamerer, eher technisch anspruchsvoller Teil am Ende der Runde.“

Simulationen im Vorfeld haben ergeben, dass die Strecke wahrscheinlich mehr Kurven über 250 km/h besitzt als Spa und mehr Kurven unter 100 km/h als Ungarn hat.

Viele Wege führen zum Titel

Bevor der erste Formel-1-Rennwagen auf die neue US-Piste fährt, lautet die Prognose, dass der Circuit of the Americas den Titelfavoriten Red Bull liegen müsste. Vettel kommt als Favorit nach Austin und kann hier theoretisch schon Weltmeister werden. Schließlich hat er zwei Rennen vor Saisonende zehn Punkte Vorsprung auf seinen härtesten Konkurrenten Fernando Alonso (Ferrari).

Unsere Prognose: Bei normalem Rennverlauf wird Vettel hier vor Alonso fahren und damit seinen Vorsprung für das WM-Finale am nächsten Wochenende in Sao Paulo ausbauen. Dass Vettel in den USA den Titel holt, ist möglich, aber nicht unbedingt umsetzbar. Vettel müsste gewinnen und Alonso dürfte maximal nur Fünfter werden oder Vettel wird Zweiter und Alonso maximal Neunter. Dritte Chance den WM-Titel vor dem GP in Brasilien zu bekommen: Vettel belegt den dritten Platz und Alonso fährt nicht in die Punkte.

„Ich war im Simulator und habe den Streckenverlauf gelernt. Ich konnte mir den Kurvenfluss einprägen und ein grundsätzliches Gefühl dafür aufbauen“, erklärt Vettel. „Von Rennstrecken-Designer Hermann Tilke wissen wir, dass die Höhenunterschiede eines der wichtigsten Merkmale der neuen Anlage in Texas sind. Innerhalb einer Runde liegt der Höhenunterschied zwischen dem tiefsten und dem höchsten Punkt bei über zwölf Metern.“

Kimi Räikkönen, Sieger des GP in Abu Dhabi, freut sich auf das Rennen in den USA: „Es ist der dritte unbekannte Kurs für mich in diesem Jahr, aber eben auch für das Team und jeden anderen Fahrer. Südkorea und Indien waren beide neues Terrain, aber ich hatte immerhin die vorherigen Rennen im Fernsehen gesehen“, sagt der Lotus-Pilot. Räikkönen weiß wie die Fans in den USA Spaß haben und den Motorsport lieben. Dennoch waren seine sieben Indianapolis-Starts nicht erfolgreich. „Leider sind 2005 nur sechs Autos angetreten. Das einzige Mal, als ich das Gefühl hatte, einen wirklich guten Wagen zu haben“, erinnert er sich zurück.

Rückblende: Austin (Texas) ist der zehnte Austragungsort eines Formel 1-Rennens in den USA. Zuletzt fand der GP der USA von 2000 bis 2007 in Indianapolis statt. Aber im Motorsporttempel der Amerikaner hatte die Formel 1 langfristig keinen Erfolg. Hintergrund: Die Formel 1 mit ihrer hochgezüchteten Renntechnologie steht in fundamentalem Gegensatz zum rudimentären Rennsport in den USA, in dem die Show für die Fans an erster Stelle steht.

In Texas gingen 2005 nur sechs Autos an den Start

Bestes Beispiel war das Rennen 2005, als Ralf Schumacher im Training in der Steilkurve von Indianapolis ein Reifen platzte. Michelin hatte daraufhin wegen der extremen Belastungen in der Steilkurve Sicherheitsbedenken. Man erwartete, dass die F1 alles tun würde, um dieses Problem zu lösen. Doch es kam anderes. Alle 14 Michelin-bereiften Boliden rollten nach der Einführungsrunde an die Box zurück – damit war das Antrittsgeld der Formel 1 verdient. Anschließend fand der USA GP mit sechs Bridgestone-bereiften F1-Rennwagen statt. Das Ende war bitter: Die US-Fans waren empört. Von diesem Skandal erholte sich die Formel 1 in Indianapolis nicht mehr. Zwei Jahre später war das Rennen nicht mehr rentabel, die Zuschauer blieben zu Hause.

Heute wagen private Investoren in Austin einen neuen Anlauf, die Formel 1 ist zurück. Und zum ersten Mal in der US-Geschichte wurde für die Formel 1 ein neuer Kurs gebaut. Es war in der Vergangenheit immer ein Kritikpunkt, dass die Rennstrecken der USA nicht den Sicherheitsstandards der Formel 1 genügten. Und die Stadtkurse von Phoenix, Dallas, Long Beach und Detroit, auf denen teilweise spektakuläre Rennen stattfanden, sorgten für Chaos in den Städten, dass keine Kommune das auf die Dauer dulden konnte.

Ob die Formel 1 jetzt in den USA eine bessere Zukunft erwartet, wird sich zeigen.

Peter Hartmann


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