Honda Insight: Hybrid oder nicht ist keine Frage mehr
30.07.2009 | 16:15 Uhr 2009-07-30T16:15:00+0200Offenbach/Essen. Honda beweist mit dem Insight die Wirksamkeit des einfachen elektrischen Hilfsantriebs. Toyota geht mit dem Prius weiter. Wir haben den Honda Insight getestet. Das Ergebnis sehen Sie im Video.
Insight heißt Einsicht, und die erste Einsicht, dass es mit einem zusätzlichen Elektromotor besser sparsamer geht, kam Honda vor zehn Jahren. Hollywood- und Scientology-Star John Travolta adelte das zweisitzige Coupé in dem populären Kino-Streifen „Schnappt Shorty” wörtlich zum „Cadillac unter den Hybridautos”. Tatsächlich war das flutschige, zweisitzige Coupé scheinbar einer Folge der Zeichentrickserie „Futurama” entsprungen gewesen zu sein. Mit 60 000 DM ebenso sauteuer wie unpraktisch blieb der Ur-Insight eine Rarität in Europa.
Fließheck-Familienfahrzeug
Ein Jahrzehnt und zwei (300 000mal verkaufte) Stufenheck-hässliche Civic-Hybridmodelle später reaktiviert Honda den schönen Namen. Der neue Insight ist ein vollständig alltagstaugliches Fließheck-Familienfahrzeug zu einem guten Preis ab 20 000 Euro. Und der Praxisverbrauch liegt bei knapp sechs Litern Super. Der Einspareffekt resultiert aus der häufigen Motorabschaltung im Stand, der Verkleinerung des Benzinmotors und zum geringen Teil aus der Energierückgewinnung beim Bremsen.
Weder beim Stopp & Go-Verkehr noch oberhalb von Autobahnrichtgeschwindigkeit rückt eine Sieben an die erste Stelle. Wer sich von der defensiven, Honda-untypisch wenig sportlichen Natur des Insight anstecken lässt, kommt mit etwas über fünf Litern aus. Das sind sehr gute Verbrauchswerte für ein 4,40 Meter langes Auto mit 100 PS, das seine knapp 1,3 Tonnen bis auf 180 km/h beschleunigt.
Mild-Hybrid-System
Ein Diesel kann das auch, muss aber mit Ruß- und Stickoxidfilter aufwendig entgiftet werden, wovon man in weiten Teilen der fahrenden Welt (China, USA, Japan) nichts wissen will. Und ob der Diesel in der Herstellung billiger ist als die stufenweise Elektrifizierung des Verbrennungsmotors, sei dahingestellt.
Im Gegensatz zu Toyota setzt der japanische Erzfeind Honda – das Verhältnis ähnelt der Konkurrenzsituation zwischen Mercedes und BMW – auf ein einfacheres System der elektrischen Unterstützung. Ein 14 PS starker E-Motor hilft dem 1,3-l-Vierzylinder auf die Sprünge. Nur in seltensten Fällen reicht der Elektromotor alleine aus: beim Dahinrollen mit Tempo 60 auf gerader Strecke . Deshalb spricht man von einem Mild-Hybrid-System. Honda kombiniert den im Antriebsstrang steckenden Motor, der auch als stromerzeugender Generator dient, mit einem stufenlosen Getriebe. Regelmäßig führt dies beim Zu- und Abschalten spürbar in der stufenlosen Automatik zu einem leichten Ruckeln.
Verspieltes Instrumentarium
Toyotas (1,7 millionenfach verkaufte) Vollhybridsystem ist auch im neuen, inzwischen dritten Prius-Modell mindestens doppelt so aufwendig. Es ist komfortabler, fährt über einen Kilometer lange Passagen rein elektrisch und hat einen noch geringeren Minimalverbrauch bei leicht besseren Fahrleistungen. Der tatsächliche Minderverbrauch dürfte in der Praxis bei einem Liter liegen. Betriebswirtschaftlich gerechnet lohnt sich der Aufpreis von 5000 Euro also nicht.
Der Prius ist gegenüber dem Insight aber das reifere Auto aus einer Klasse darüber. Der Insight basiert auf dem Jazz, also dem „Polo von Honda”. Die verarbeiteten Materialien im Innenraum wirken nicht hochwertig. Das verspielte Instrumentarium wird irritieren, wer keine Tamagotchis mag. Die Ökoanzeige ist ein Witz. Die „ökig” grüne Unterlegung der Tachoanzeige verfärbt sich, wenn man nur ans Gasgeben denkt.
Eingeschränkte Kopffreiheit
Zu den praktischen Nachteilen des Insight gehört die eingeschränkte Kopffreiheit der Hinterbänkler und die geteilte Heckscheibe mit schlechter Rücksicht. Das gesamte Elektropaket inklusive der Extra-Batterie schränkt wie beim Prius das Platzangebot nicht mehr ein.
Die Hochvolt-Batterie hat eine Kapazität von 0,6 Kilowattstunden - oder nur drei Schnapsgläsern voll Benzin. Der Anlasserstrom kommt aber weiterhin aus einer ganz normalen, sogar recht kleinen Starterbatterie. Wer beim Parken das Licht eingeschaltet lässt, bleibt mit seinem Elektroauto liegen und kann es wegen des Automatikgetriebes auch nicht anschieben.
20:12
Ich fahre meinen Opel Zafira jetzt 3 Jahre und habe über 100.000 km zurück gelegt. Ich bin Erbsenzähler beim Festhalten der Kosten.
Bis jetzt habe ich einen Gesamtdurchschnitt von 6,1 Liter/100km Diesel.
Also was soll ich mit so einem Hybrid-Fahrzeug, das auch nicht weniger verbraucht.