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Gigaliner

Feldversuch gescheitert - Spediteure wollen Gigaliner nicht

20.02.2012 | 15:53 Uhr
Feldversuch gescheitert - Spediteure wollen Gigaliner nicht
Für Spediteure ist der Gigaliner kaum interessant. Foto: dapd

Essen.  Das Megaprojekt "Gigaliner" steht vor dem Aus: Für die laufende Pilotphase haben sich nur zwei Speditionsunternehmen angemeldet. Grund dafür ist wohl nicht, dass die Riesen-Lkws nicht profitabel sind. Doch die politischen Unwägbarkeiten schrecken viele Unternehmer ab.

Der Einsatz der Gigaliner sollte das Straßen-Event 2012 werden. „Im Frühjahr kann Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer den Startschuss geben“, heißt es auf der Internetseite seines Ministeriums. Doch jetzt ist die für den 5. März in München geplante Premierenfeier abgeblasen worden. Mutmaßlicher Hintergrund: Bei den Spediteuren besteht nur wenig wirkliches Interesse, die 25,25 Meter langen Riesen-Lkw zu beschaffen und im fünfjährigen Feldversuch zu testen .

Meldebeginn für den regierungsamtlichen Test auf deutschen Straßen war am 1. Januar. Gerade zwei  Fahrzeuge sind seither bei der Bundesanstalt für Straßenwesen fest gebucht worden, darunter der knallrote Zug der Allgäuer Spedition Ansorge. Mit 400 Lang-Lkw aber hatte Ramsauer offiziell gerechnet.

Gigaliner dürfen nur in sieben Bundesländern auf die Straße

Der sich abzeichnenden Flop hat weniger wirtschaftliche als vielmehr politische Gründe. Die umstrittenen Super-Laster, die ihre Gegner respektvoll „Monstertrucks“ nennen, ihre Fans wegen der angeblich guten Umweltbilanz  „Öko-Liner“ und die offiziell unter „Fahrzeuge und Fahrzeugkombinationen mit Überlänge“ firmieren, dürfen in nur sieben Bundesländern rollen, zusätzlich in Baden-Württemberg auf 130 Kilometer Autobahn im Transitverkehr .

 Das rot-grüne Nordrhein-Westfalen  sperrt sich gemeinsam mit anderen sozialdemokratisch geführten Ländern ganz gegen den Verkehr mit den überlangen Lastzügen. Der Versuch, den Test auf Bundesebene generell zu stoppen, misslang rot-grünen Landesregierungen zwar. Aber sie drohen, vor das Bundesverfassungsgericht zu ziehen. ssen und nicht per Gesetz, bei dem Bundestag und Bundesrat ihr Ja hätten geben müssen. 

Die Diskussion um Gigaliner wird zum Glaubenskrieg

Die Folgen: Spediteure scheuen das Risiko. Sie haben zum einen Angst, dass Karlsruhe das Unternehmen verbietet, bevor die Fahrzeuge abgeschrieben sind . Dann blieben sie auf dem Kaufpreis sitzen. Außerdem: Die Touren, auf denen die Firmen die neuen Fahrzeuge einsetzen können, erzwingen heftiges Hakenschlagen um Landesgrenzen herum. Das kostet Zeit und Geld. Schon die Anschaffung ist eine sechsstellige Investition.

Das Für und Wider zum Einsatz der Fahrzeuge, die in den USA und in Skandinavien längst zum Straßenbild gehören, artet inzwischen in einen Glaubenskrieg aus. Passen sie in Verteilerkreise? Bleiben sie auf Bahnübergängen stecken? Ramponieren sie Brücken? Schließlich: Schaden sie der umweltfreundlichen Bahn wirtschaftlich?

ADAC und Autofahrer wollen keine Gigaliner auf den Straßen

Dabei hat sich der mächtige ADAC  sich auf die Seite der Gegner geschlagen: Ein mit 100 Stundenkilometer fahrender Pkw brauche mit 149 Metern glatte 44 Meter mehr zum Gigaliner-Überholen als bei einem vergleichbaren Manöver mit einem 16 Meter langen Normal-Lastzug. Mit dieser Sorge spricht der Autoclub einer Mehrheit der Autofahrer aus dem Herzen, die mit über 60 Prozent den Versuch ablehnen. Vor allem Frauen, so die Umfragen, sind vehement dagegen.

Das Speditionsgewerbe kämpft mit ökologischen Argumenten: Zwei Lang-Lkw könnten drei herkömmliche ersetzen. Das spare Diesel, minimiere den CO2-Ausstoß .  Den Straßen schadeten die Supertrucks nicht, denn die 44-Tonnen-Obergrenze je Fahrzeug bleibe nach deutschem Recht. Und die Fahrer werden erst nach speziellem Sicherheitstraining ans Steuer gelassen.

Der fünfjährige Test sollte aufwändig weitergehen – mit Umfragen, Begleitfahrten, wissenschaftlichen Untersuchungen durch die Bundesanstalt für Straßenwesen in Bergisch-Gladbach. Bleibt es bei den zwei angemeldeten Lastzügen, lohnt sich das kaum.

Dietmar Seher

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Kommentare
22.02.2012
19:49
Warum kümmert sich Ramsauer um Drohnen zur Demonstrtenüberwachug und Gigaliner,
von nachdenken | #29

statt um die Bahnverbindungen und -verbesserungen?

22.02.2012
11:16
Wieder ein Sieg für die Maschinenstürmer
von prorevier | #28

Die Fahrzeuge sind kein Ersatz für den Bahntransport. Zwei der LKW sollen drei herkömmliche Autos ersetzen wo das möglich ist - eigentlich ganz einfach.
Dabei sind sie sicherer, umweltfreundlicher billiger und haben weniger Flächenverbrauch. Nur gegen das Argument "böses großes Auto" kann man nicht gegenhalten. Aber das gibt es auch nur in Deutschland, fast überall woanders fahhren diese Fahrzeuge längst,.

22.02.2012
00:06
Sieg der Vernunft
von altid | #27

allerdings suchen die Verlierer immer noch mit ihren verschwurbelten Argumenten, trotzdem noch Recht haben zu wollen.

21.02.2012
16:15
Feldversuch gescheitert - Spediteure wollen Gigaliner nicht
von Frohnhauser | #26

Wenn der Verbraucher bzw. die Industrie verstehen würde das es auch mal 2 Tage dauern kann bis ein Produkt bespielsweise von Hamburg nach Freiburg oder von Duisburg nach Zwickau transportiert wird, dann kann man gerne mit dem Argument kommen das die Bahn die bessere Alternative ist.
Bei der Bahn schafft man es nicht mal einen Container bzw. eine Wechselbrücke im Nachtsprung von Duisburg nach Hamburg zu schicken. Trotz früher Abfahrtszeit von 17:00 Uhr in Duisburg. Entweder wurde angeblich kein Platz auf dem Zug gebucht (Trotz Dauerbuchung) oder die Einheit landet zum Beispiel in Hannover oder Bremen und kann an diesem Tage nicht weiterverschickt werden.
Transporte mit der Bahn bei solcher Qualität? Nein, danke

Und die Gigaliner sollen gar nicht in Innenstädte fahren, sondern sind im Prinzip für Depot - Depot Transporte zwischen Speditionen und von Industrieunternehmen gedacht.

1 Antwort
Feldversuch gescheitert - Spediteure wollen Gigaliner nicht
von Cheaterhand | #26-1

Wohl wahr. DB Schenker hat manchmal schon komische Routen. Und auch die Verspätung kann locker mal in den zweistelligen Stundenbereich gehen. Aber wer sich mit der Materie auskennt, weiß, dass dies im spurgebundenen Verkehr leider unausweichlich ist, da jede Störung sich fortpflanzt.
Von Suiziden auf der Schiene ganz zu schweigen. Danach steht ja eh erstmal alles (außer es gibt eine mögliche Umleitung)
Aber es ist der sauberste und effizienteste Transport.

Es gibt leider zu wenige Umschlagplätze vom LKW auf die Schiene und zurück oder die rollende Landstraße.
Und so langsam kommt das existierende Verkehrsnetz an den Infarkt.
Super, dass so viele Strecken schon stillgelegt und gleich abgerissen wurden.

21.02.2012
15:09
Feldversuch gescheitert - Spediteure wollen Gigaliner nicht
von baldinsoelde | #25

Ich bin erleichtert.

In die Innenstädte mit den engen Kurvenradien an den Kreuzungen hätten die Giga-Liner gar nicht gedurft. Schon jetzt kommen manches Mal die Trucks nur unter Mitnutzung der Gegenfahrbahn um die Kurve.

Und für den Langstrecke ist tatsächlich die Bahn besser geeignet. Richtig, es gibt nicht überall die Bahn, doch gerade die großen Logistik-Verteilzentren, die ja wohl von diesen Gigalinern angefahren werden sollen könnten genausogut einen Bahnanschluss bekommen. Warum Gewerbegebiete oftmals keinen Bahnanschluss bieten, ist hingegen ein Versäumnis der Politik, meist der Kommunalpolitik.

21.02.2012
14:24
warum ungebremst?
von prorevier | #24

Von einer Erhöhung des Gewichtes war doch garnicht die Rede. Also passiert bei einem Unfall nicht mehr als mit anderen LKW. Da aber die Anzahl der gebremsten Achsen steigt, dürfte sich der Bremsweg wohl verkürzen. Also ein klares Sicherheitsplus.

21.02.2012
13:28
Feldversuch gescheitert - Spediteure wollen Gigaliner nicht
von Satzball56 | #23

Welche Argumente hat denn der Verkehrsminister, wenn diese “ Öko-Liner “ mit 80 Km/h ungebremst in ein Stauende rasen ??

21.02.2012
13:18
Feldversuch gescheitert - Spediteure wollen Gigaliner nicht
von Satzball56 | #22

Welche Argumente hat denn der Verkehrsminister, wenn diese “ Öko-Liner “ mit 80 Km/h ungebremst in ein Stauende rasen ??

21.02.2012
11:45
Feldversuch gescheitert - Spediteure wollen Gigaliner nicht
von duslip | #21

Es gab Zeiten, da wurden 80% aller Güter mit der Bahn transportiert und auch in anderen Ländern wie z.B. der USA oder Schweiz ist der Anteil immer noch doppelt so hoch wie in Deutschland. Also soll keiner erzählen das ging nicht!

Und der Quatsch mit den Gigalinern hätte noch mehr auf die Straße verlagert, zum Glück erledigt sich das dann jetzt wohl.

2 Antworten
Feldversuch gescheitert - Spediteure wollen Gigaliner nicht
von Frohnhauser | #21-1

Siehe Logport in Duisburg. Fahrspuren die für 2 sich entgegen kommende LKW zu schmal sind. Parkstreifen die für PKW breit genug sind, aber nicht für LKW. Und Rad-/Fußwege die scheinbar für Massen an Fußgängern und Radfahrern gedacht sind die aber dort nie zu sehen sind. Was sollen die auch da??

Feldversuch gescheitert - Spediteure wollen Gigaliner nicht
von Frohnhauser | #21-2

Siehe Logport in Duisburg. Fahrspuren die für 2 sich entgegen kommende LKW zu schmal sind. Parkstreifen die für PKW breit genug sind, aber nicht für LKW. Und Rad-/Fußwege die scheinbar für Massen an Fußgängern und Radfahrern gedacht sind die aber dort nie zu sehen sind. Was sollen die auch da??

21.02.2012
05:20
Man HÄTTE in den letzten Jahrzehnten auch das Strassennetz
von industriee | #20

an wachsende und kommende Bedürfnisse anpassen können. Man hätte Schwerlastpisten NICHT in verwinkelte Bonsaistrecken mit Einbauten umgestalten können. Man hätte NICHT künstlerisch wertvolle Kreisverkehre mit eben Bonsaifahrbahnen und Landschaftsbau schaffen können flächendeckend. Aber das Gegenteil geschah. Jetzt ist es zu spät. Der Staat hat sich aus seiner verantwortung verabschiedet. Brennbares Material unter Autobahnbrücken, völlig vereiste Brücken am frühen Montag. Man schweigt die Unfälle halt tot so weit wie es geht und gut ist. Stockender Verkehr..
2 Monate ohne LKLW Verkehr. Guten Morgen gehts noch? Nach 2 Tagen lägen Handel und Industrie flach. Die gallopierende Gehirnschwindsucht in den Siedlungen gibt mir langsam zu denken.

1 Antwort
Feldversuch gescheitert - Spediteure wollen Gigaliner nicht
von AntonC | #20-1

Gut, dass es klügere Menschen in diesem Land gibt als der KFZ-zentrierte Industriee. Schließlich leben in unserem Land nicht nut die hinters Steuer gefesselten, für die 10 Meter Fußweg schon eine unüberwindliche Aufgabe darstellt.

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