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EU-Reifenlabel soll ab November Hilfe für Verbraucher sein

21.09.2012 | 13:10 Uhr
EU-Reifenlabel soll ab November Hilfe für Verbraucher sein
Ein neues Reifen-Label soll ab dem 1. November den Verbrauchern die Orientierung beim Reifenkauf erleichtern.Foto: WAZ FotoPool

Essen.  Die EU will es Reifenkäufern ermöglichen, mit einem Blick gute von schlechten Pneus zu unterscheiden. Dazu tritt am 1. November 2012 die einheitliche Kennzeichnungspflicht für Neureifen in Kraft. PKW- und LKW-Reifen, die nach dem 1. Juli 2012 produziert wurden, müssen dann ein Zeugnis tragen: Das so genannte EU Reifenlabel.

Bei der Entwicklung des Reifenlabels stand das Energielabel Pate, das der Verbraucher samt seiner Klassifizierung schon von seinen Küchengeräten kennt: Sieben Klassen von A (grün) bis G (rot) geben dem Käufer einen sofortigen visuellen Überblick über die Gesamtbewertung des Reifens. Reifen gehören, anders als Kühlschränke oder Waschmaschinen, allerdings eher zu den Produkten, denen etliche Käufer und damit Autofahrer eher geringes Interesse entgegenbringen. Dabei handelt es sich bei den heutigen Reifen der großen Hersteller um echte High-Tech Produkte, die für die Verkehrssicherheit und den Klimaschutz wichtige Beiträge leisten. „Genau darauf soll das EU Reifenlabel die Käufer ab dem 1. November aufmerksam machen“, sagt Herbert Reul (CDU) , Vorsitzender des EU Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie in Brüssel. „Dies geschieht, indem das Label die Leistungen eines Reifens in drei wichtige Kategorien kennzeichnet. „Rollwiderstand, Nasshaftung und Abrollgeräusch“.

Reifenwahl beeinflusst den Spritverbrauch

Der Rollwiderstand ist dabei maßgeblich für den Anteil des Reifens am Spritverbrauch , zwischen Klasse A und Klasse G liegen jeweils bis zu 4,5 Prozent, was in etwa einem Spritmehrverbrauch von 0,7 Liter auf 100 Kilometern zwischen Klasse G und A entspricht.

Die Nasshaftung ist entscheidend für die Verkehrssicherheit . Auch hier gibt es sieben Bewertungsklassen, allerdings ohne Farbcode. Ermittelt wird die Nasshaftung mit einem Bremswegvergleich auf nasser Fahrbahn aus 80 km/h. Der kürzeste Bremsweg erhält die Klasse A, der Abstand zur nächsten Klasse beträgt bis zu sechs Meter. Zwischen Klasse A und F (G wird nicht belegt) liegt der Unterschied in der theoretischen Aufprallgeschwindigkeit also bei fast 40 km/h, ein beeindruckender Wert.

Lärmbelästigung der Umwelt und das Wohlbefinden der Insassen

Das Abrollgeräusch ist wichtig für die Lärmbelästigung der Umwelt und das Wohlbefinden der Insassen. Die Laustärke wird außerhalb des Fahrzeugs gemessen und in Dezibel (dB) angegeben. Hier helfen dem Verbraucher drei Schallwellen in einem Piktogramm: Ist nur die kleinste der drei Wellen geschwärzt, so unterschreitet der Reifen die neue EU Norm um 3 Dezibel, bei drei geschwärzten Wellen erreicht der Pneu nur die aktuellen Grenzwerte.

„Das Label wird Reifenkäufer dabei unterstützen, eine sachkundige Wahl zu treffen “, ist EU-Parlamentarier Reul überzeugt. „Wer gute Reifen fährt, senkt die Unfallquote, den Energieverbrauch und den Schadstoff-Ausstoß“, so Reul.

Große Hersteller erzielen Spitzenwerte

Was der Käufer nicht aus dem Label entnehmen kann: Die Reifen der großen Hersteller erzielen nicht nur in den Kategorien des neuen Labels Spitzenwerte. Alle Hersteller forschen gleichzeitig an der Verbesserung von rund 20 Faktoren, wie zum Beispiel Haltbarkeit, Bremsweg auf trockener Straße oder Aquaplaning-Sicherheit . Allein der italienische Reifenriese Pirelli beschäftigt rund 1.200 Ingenieure in sechs Entwicklungszentren rund um die Welt und investiert derzeit rund 3 Prozent seines Gesamtumsatzes in Forschung und Entwicklung. Pirelli ist derzeit der einzige Hersteller, der mit einem Reifen in allen drei Klassen eine A-Bewertung erreicht hat. „Und das mit einem sportlichen Allround-Reifen, der für die meisten Mittelklasse-Fahrzeuge in Deutschland verfügbar ist“, so Pirelli-Deutschland Geschäftsführer Michael Borchert.

Reifen Experte Professor Dr. Gert Heinrich, Leiter des Institutes für Polymerwerkstoffe des Leibniz-Institutes für Polymerforschung (IPF) erläutert: „Es ist vergleichsweise einfach, nur einen Faktor, zum Beispiel den Rollwiderstand eines Reifens stark zu reduzieren. Das geht aber auf Grund der physischen Eigenschaften des Gummis stets zu Lasten der Nasshaftung“.

Hilfe für alle Verkehrsteilnehmer und die Umwelt

Das bedeutet, das die Hersteller gezwungen sind, einen ausgewogenen Reifen zu entwickeln, um in allen drei Klassen des neuen Labels Spitzenwerte zu erreichen.

Dies hilft am Ende nicht nur dem Verbraucher allein, sondern allen Verkehrsteilnehmern und der Umwelt: „Hat ein Reifen beim Rollwiderstand ein A, beim Nassgriff aber nur ein E, dann geht die Wirtschaftlichkeit eindeutig zu Lasten der Sicherheit“, so der Leiter der Verkehrsunfallforschung der Medizinischen Hochschule Hannover, Professor Dietmar Otte. Sichere und Umweltverträgliche Produkte lägen aber in allen drei Kategorien im oberen Bereich, so Otte. Dies macht es dem Verbraucher den Vergleich unter den Reifenmarken zukünftig relativ einfach.



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