E10 - eine ökologische Mogelpackung?
08.03.2011 | 08:50 Uhr 2011-03-08T08:50:00+0100
Essen. Über die Umweltbilanz des neuen Biosprits E10 wird heiß gestritten. Kritiker meinen, Biotreibstoffe sind umweltschädlicher als Erdöl. Das Problem ist die Herstellung.
Biotreibstoffe gelten als die Hoffnungsträger im Klimaschutz. Dabei warnen selbst Umweltverbände seit Jahren vor den „Klimakillern in Grün“: Die Öko-Bilanz ist schlimmstenfalls verheerend, und wer Biosprit fährt, tankt das Brot der Armen, heißt es in verschiedenen Studien. Und so schwebt über der Biosprit-Debatte die große Frage: Ist E 10 in Wirklichkeit eine ökologische Mogelpackung?
Es ist ein Traum von Wissenschaftlern: Wer Bioenergie aus nachwachsenden Energiepflanzen wie Weizen, Mais, Zuckerrüben oder Zuckerrohr herstellt, löst zumindest für den Verkehrsbereich einen Teil des Klimaproblems. Die Logik: Bei der Verbrennung des Biosprits wird nur jenes klimaschädliche Kohlendioxid (CO2) frei, das die Pflanzen zuvor aus der Luft aufgenommen haben. Die nächste Generation von Pflanzen würde das CO2 wieder binden, ein Kreislauf begänne. Das Nullsummenspiel wäre ein Segen für die Atmosphäre.
Herstellungsmethode für Umweltbilanz entscheidend
Stimmt nicht, sagen Kritiker. Biosprit ist in seiner Umweltbilanz schädlicher als Erdöl, lautet das Fazit einer Studie des Instituts für Europäische Umweltpolitik (IEEP), die neun europäische Umweltverbände in Auftrag gegeben haben. Biosprit habe zwar Vorzüge. Doch der Einsatz von Kunstdünger, die energiefressenden Herstellungsverfahren oder die langen Transportwege machten die Klimabilanz wieder zunichte. Das Fazit des Instituts: Durch die geplante Biosprit-Nutzung würden bis zu 167 Prozent mehr Treibhausgase freigesetzt als durch die Nutzung fossiler Kraftstoffe.
Ähnlich, aber differenzierter beurteilt eine Studie für die Schweizer Regierung die Umweltauswirkungen. Entscheidend sei, welche Rohstoffe und Technologien bei der Herstellung von Biosprit eingesetzt würden. Mit einer ganzen Reihe von Energiepflanzen könnten CO2-Einsparungen von bis zu 30 Prozent erzielt werden. Aber: Die meisten dieser Pfade wiesen höhere Umweltbelastungen als Benzin auf.
Konkurrenz von Teller und Tank
Die Internationale Energieagentur (IEA) hat ausgerechnet, dass sich die Menge der erzeugten Biokraftstoffe seit Beginn des Jahrtausends versechsfacht hat. Der Biosprit-Boom raubt wertvolle landwirtschaftliche Nutzflächen und zerstört Ökosysteme.
Auch wenn das europäische Regelwerk verbietet, dass Biosprit auf nicht-zertifizierten Flächen angebaut wird: Um den Bedarf zu decken, werden Wälder abgeholzt, Moore trockengelegt, Weideland geopfert. Als „Kohlenstoff-Senken“ sind diese Flächen wesentlich effektiver als Äcker. Die „geänderte Landnutzung“ zieht somit zusätzliche CO2-Emissionen nach sich. Die Klimabilanz der Agrotreibstoffe, sie löst sich am Ende in Luft auf.
Gravierende Folgen hat die Konkurrenz von Teller und Tank. In den USA werden mittlerweile 30 Prozent der Maisanbauflächen für die Herstellung von Biosprit genutzt. In Mexiko, das einen Großteil des Getreides aus den USA importiert, kam es zur „Tortilla-Krise“: Der Preis für Mais vervielfachte sich. An der Warenterminbörse in Chicago stieg der Preis für Weizen im vergangenen Jahr um über 70 Prozent. Die Industrieländer vertanken das Brot der Armen.
Riesiger Flächenbedarf
Längst ist klar: Weltweit ist die Fläche für den Anbau von Energiepflanzen viel zu klein, um den Bedarf an Biosprit zu decken. Die IEEP-Studie rechnet vor: Würde man in Deutschland zehn Prozent der Treibstoffe durch Biosprit ersetzen, würden dafür 27 Prozent der deutschen Ackerfläche benötigt.
Für die EU ergeben die Aktionspläne einen Flächenbedarf von bis zu 69 000 Quadratkilometern, das ist ungefähr die Fläche Irlands.
19:02
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17:43
@ 13 Erkannt
Das sollten Sie doch mal Ihren Freunden in der CDU und FDP mal klarmachen. Hören die nicht auf Sie?
Och, das ist aber schade.
Zum Thema: Ich habs oben schon geschrieben, die werden es durchsetzen wollen und haben es heute so beschlossen. Ich tanke trotzdem die Plörre nicht und boykottiere die großen Marken weiterhin..
16:36
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16:35
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16:34
@ #3 mildner
quote
1) Wo heute Energiepflanzen wachsen, haben vorher andere Pflanzen gestanden, die vermutlich wesentlich mehr CO2 verarbeitet haben. Die Aufrechnung des CO2, das die Energiepflanzen
unquote
Eine Pflanze gibt bei der Verbrennung, beim Verzehr oder beim Verrotten auf dem Feld oder bei der Umwandlung in Alkohol und anschließender immer den CO2 Gehalt ab, den sie vorher aufgenommen hat.
Jedoch entstehen bei der Verarbeitung von Pflanzen für den Öko-Treibstoff noch zusätzliche CO2 Emissionen durch Transport, Verarbeitung und durch das Roden von Wäldern und dem Verbrennen der gerodeten Wälder.
Daher ist die Öko-Bilanz von Treibstoffen auf Pflanzenbasis immer negativ, mal davon abgesehen, dass die Lebensmittel dadurch teurer werden und in anderen Erdteilen deswegen Menschen verhungern müssen!
15:54
Was ist denn in Deutschland keine Mogelpackung? Selbst die Politiker auf ihren Posten sind doch Mogelpackungen.
Die Lobbyisten haben das Sagen. Nur der Bürger vertraut und glaubt auch nicht mehr alles was man ihm vorlabert.
15:53
Warum merkt eigentlich kaum einer das es nur eine versteckte Steuererhöhung ist.
Durch den Mehrverbrauch muss mehr getankt werden,was eine beachtliche Mehreinnahme an Steuern ist!
15:47
Überzeugungen können den Verstand dermaßen aussetzen, siehe Röttgen :-) Jeder halbwegs vernünftiger Ingenieur würde über bekannte Faustregeln aus dem FF eine Bilanz aus dem Kopf zaubern, die allein den Beweggrund für E10 zunichte gemacht haben. Aber Politiker setzen sich gerne über Besserwissende hinweg.
Allein der Inhalt vom Abschnitt Riesiger Flächenbedarf hätte ohne Brimborium an Geldausgaben als Leviten dienen können. Ich finde, alle Personen, die das in die Wege geleitet haben, sollen Ihr Gesamtvermögen einschließlich zukunftiger Verdienstabzüge finanziell ausgleichen. Das ist Steuergeldhinterziehung.
15:30
@ #6 gena: Unsere Regierungen - ich meine alle - lassen nicht denken. Nur der Lobbyist, der am lautesten schreit, bekommt was er will.
Bei dem Biosprit ist das eindeutig die Agrarlobby. Das ist besonders gut abzulesen gewesen an den Art der Verteidigung des E10. Wer kein E10 will, will aber Ölsandabbau, Bohren in großen Meerestiefen usw. nur Schreckensszenarien.
Der Bericht entlarvt doch alle die Befürworter, es geht nur um Geld und das möglichst nur von den Anderen.
Wer mit den Argumenten wie Öko, Klima usw. antritt und keine Diskussion zulässt, hat was zu verbergen. Ganz besondere Vorsicht ist geboten, wenn die Ziele sehr hoch gesteckt werden. Anfangs sollten doch nur Brachflächen genutzt werden, bei Biogas nur die Gülle. Was ist daraus geworden? Bereicherung auf Kosten des kleinen Mannes. Eins habe ich in meinem Leben gelernt. Wenn sich große Firmen auf Okö stürzen, dann ist etwas sehr faul im Staate. Okö ist doch nur vorgeschoben, es geht um Gewinn und eine möglichst hohe Rendite.
15:27
Der Klimaschutz lässt sich gut für alles mögliche missbrauchen