Das aktuelle Wetter NRW 3°C
Verkehr

Die meisten Verkehrssünder kommen aus NRW

27.06.2011 | 17:46 Uhr

Essen.Trauriger Rekord: Nordrhein-Westfalen ist Spitzenreiter bei den Punktesündern, die im Verkehrszentralregister (VZR) in Flensburg geführt werden. Die meisten Einträge haben Männer zwischen 25 und 44 Jahren für zu schnelles Fahren gesammelt.

33 Prozent mehr offizielle Verkehrssünder gab es im Januar 2010 gegenüber 2001. Die Zahl der Punktesammler hat damit einen neuen Höchststand erreicht: Knapp neun Millionen Deutsche sind in der Kartei des Kraftfahrt-Bundesamts in Flensburg verzeichnet, davon allein zwei Millionen aus Nordrhein-Westfalen. Die meisten Punktesünder sind Männer zwischen 25 und 44 Jahren, die in NRW beim Rasen erwischt wurden.

Mit 1.131.000 Delikten wurden nahezu ein Viertel der 2009 in Flensburg verzeichneten Verkehrsverstöße in NRW begangen. Zum Vergleich: Platz zwei belegt Bayern mit 687.000 Delikten, Mecklenburg-Vorpommern kommt als Schlusslicht gerade einmal auf 110.000 Verstöße. Dass sich diese einsame Spitzenposition nicht direkt anhand der Bevölkerungsdichte von Nordrhein-Westfalen relativieren lässt, zeigt eine vom ACE Auto Club Europa veröffentlichte Untersuchung.

In NRW sind viele zu schnell unterwegs

Auch in Relation zur Bevölkerungszahl bleibt Nordrhein-Westfalen der ACE-Studie zufolge Spitzenreiter bei den Punktesündern: 1.422 von 10.000 strafmündigen Einwohnern sind hier mit Punkten in Flensburg belegt. An zweiter Stelle folgt Mecklenburg-Vorpommern mit einem Wert von 1.365. Fast gleichauf liegt Baden-Württemberg, wo 1.359 pro 10.000 Einwohner im Straßenverkehr auffällig wurden. Deulich unter dem bundesdeutschen Durchschnittswert liegen Sachsen, Thüringen und das Saarland, wo nur gut jeder zehnte Einwohner mit Punkten in Flensburg behaftet ist. Allerdings gab es im Saarland in 2009 den größten Zuwachs an Punktesündern, während die Hessen im Vergleich zum Vorjahr eine gesteigerte Gesetzestreue an den Tag legten.

Die ACE-Studie lässt derweil offen, ob der NRW-Rekord in der schlechten Verkehrsmoral der hiesigen Autofahrer begründet ist. Eine mögliche Erklärung könnte auch die polizeiliche Kontrolldichte liefern. "In Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise ist auf den Straßen nicht so viel los, deshalb gibt es auch keinen so hohen Bedarf an Kontrollen. In NRW gibt es dagegen viele Ballungsräume und das nordrhein-westfälische Innenministerium hat in den letzten Jahren den Hauptfokus auf Geschwindigkeitsmessungen gelegt", erklärt Roman Suthold vom ADAC NRW.

Die Flensburg-Kartei
Punktesystem

Im Straßenverkehr auffällig gewordene Verkehrsteilnehmer werden im Verkehrszentralregister beim Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg erfasst. Eingetragen werden alle Ordnungswidrigkeiten ab 40 Euro Bußgeld und im Straßenverkehr begangene Straftaten.

Die Bewertung der Verkehrsverstöße findet nach einer Skala von eins bis sieben Punkten statt. Ordnungswidrigkeiten werden mit einem bis vier Punkten und Straftaten mit fünf bis sieben Punkten bewertet. Punkte wegen Ordnungswidrigkeiten werden nach zwei Jahren gelöscht, Punkte wegen Straftaten bleiben fünf Jahre lang bestehen – waren Alkohol oder Drogen im Spiel verdoppelt sich dieser Zeitraum auf zehn Jahre.

Ab einem Punktestand von acht Punkten gibt es einmal in fünf Jahren die Möglichkeit, diese durch die Teilnahme an einem Aufbauseminar zu reduzieren. Verkehrsteilnehmern, die 18 Punkte gesammelt haben, wird der Führerschein entzogen.

In die Radarfallen sind dann auch die meisten Fahrer getappt. Deutlich mehr als die Hälfte der im Jahr 2009 neu hinzugekommenen Einträge hatten ihre Ursache in Geschwindigkeitsübertretungen. Allein in NRW gab es in 667.000 Fällen Verkehrssünder-Punkte für zu schnelles Fahren. An zweiter Stelle stehen rund 400.000 Vorfahrtverletzungen wie das Überfahren einer roten Ampel oder eines Stoppschilds. 85.000 dieser Einträge entfallen auf Verkehrsteilnehmer aus NRW. Platz drei der Punkte-Hitliste belegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr. 30.000 derartige Verstöße wurden in NRW, 191.000 insgesamt gezählt - der niedrigste Wert seit zehn Jahren. Fahren ohne Führerschein (24.000 in NRW, 100.000 insgesamt) und das Unerlaubte Entfernen vom Unfallort (6.000 in NRW, 32.000 insgesamt) spielen in der Statistik eher eine untergeordnete Rolle.

Alter und Geschlecht sind entscheidend

Neben dem Bundesland sind auch Alter und Geschlecht entscheidende Variablen in der Flensburger Kartei. So scheinen Männer die Verkehrsregeln weniger genau zu nehmen als Frauen: Auf einen Eintrag einer Frau im VZR kommen 3,8 Einträge männlicher Verkehrsteilnehmer. Die Männer in NRW lassen dabei die anderen Bundesländer hinter sich: Von 1.000 strafmündigen männlichen Einwohnern haben in NRW 226 einen Eintrag im Verkehrszentralregister. Aber auch die nordrhein-westfälischen Frauen liegen - gemeinsam mit den Damen aus Baden-Württemberg - im bundesdeutschen Vergleich an der Spitze. Von 1.000 Einwohnerinnen sündigen hier immerhin noch 64 im Verkehr.

Außerdem geht fast die Hälfte aller Einträge in Flensburg auf das Konto der Altersklasse zwischen 25 und 44 Jahren. Bei jungen Fahrern bis 21 Jahre wirken sich offenbar die Restriktionen des Führerscheins auf Probe positiv aus. In der Altersklasse ab 45 Jahren nehmen die Verstöße deutlich ab. Dies gilt erst recht für Fahrer, die das Rentenalter erreicht haben.

Psychologische Tricks können Punktesündern helfen

"Viele Autofahrer nehmen Verkehrsschilder nur als Hinweis, aber nicht als Befehl entgegen", weiß Rüdiger Born vom Bundesverband Niedergelassener Verkehrspsychologen (BNV). "Es macht Arbeit, sich an die Regeln zu halten." Um den Autofahrern diese Arbeit zu erleichtern, gibt der Diplom-Psychologe ein paar einfache Tipps:

1. Entlastung schaffen: Wer wegen eines Termins unter Zeitdruck steht, neigt häufig zu Geschwindigkeitsüberschreitungen. Entlastung kann der Autofahrer schaffen, indem er rechts ran fährt, anruft und den Termin verlegt.

2. Den Ärger aussitzen: Wer hinter einem langsamen Fahrer herfährt, erliegt manchmal der Versuchung, zu dicht aufzufahren oder gar unerlaubte Überholmanöver zu starten. Verkehrspsychologe Born rät in solchen Fällen, eine Fünf-Minuten-Pause an der Raststätte einzulegen. Der Ärger verraucht und der andere Fahrer ist nach der Pause längst weit weg.

3. Rational denken: "Wir sind auch beim Autofahren oft von Phantasien geplagt. Wir denken, der andere fährt nur so langsam, um uns zu ärgern. Das ist besonders schmerzlich", sagt Born. "Wenn man die Situation nüchtern betrachtet und sich darüber klar wird, dass dies nicht der Fall ist, ist die Fahrweise der anderen Verkehrsteilnehmer leichter auszuhalten."

4. Cool bleiben: "Alle Arten von starken Gefühlen sind dem konzentrierten Fahren abträglich", weiß der Psychologe. Wenn wir also wütend, aufgeregt oder besonders motiviert sind, wirken sich diese Emotionen auch auf unsere Fahrweise aus. "Starke Gefühle sollte man deshalb nur außerhalb des Straßenverkehrs genießen."

 

Mona Contzen

Facebook
 
Kommentare
30.06.2011
16:28
Die meisten Verkehrssünder kommen aus NRW
von Juliusfritz | #65

Na ja, dann sollten Sie einen Verein der Abnicker gründen und jedes Knöllchen bezahlen.

30.06.2011
15:23
Die meisten Verkehrssünder kommen aus NRW
von Bronkhorst | #64

@62: da sind wir ja einer meinung. hatte ihren kommentar zuerst gar nicht gelesen, da es mir nach den ersten 20 schon zu blöde war noch weiter zu lesen ;)

29.06.2011
20:06
Die meisten Verkehrssünder kommen aus NRW
von eigenheim | #63

seit ich die ganzen komments gelesen habe, weiß ich jetze, wo die blitze herkommen. und ich dachte immer, wir hätten in NRW dauer wetterleuchten.

29.06.2011
19:26
Die meisten Verkehrssünder kommen aus NRW
von Otto99 | #62

#53 Bronkhorst

Lesen Sie mal Kommentar #25

29.06.2011
19:15
Die meisten Verkehrssünder kommen aus NRW
von elephant | #61

Evtl. wird in NRW auch mehr kontrolliert als anderswo. Die Kassen der Städte sind leer und so wird auf jedem Weg versucht Geld hereinzuholen .

29.06.2011
18:50
Die meisten Verkehrssünder kommen aus NRW
von Bronkhorst | #60

@58: technisch machbar ist so vieles. ein tunnel von paris nach new york oder ein weltraumlift z.b.

auch ihre ideen sind den experten sicher nicht unbekannt. nur ist sowas leider nicht finanzbierbar und zu viele leute haben auch gar kein interesse sowas zu finanzieren, da sie an dem jetzigen elend gut verdienen

29.06.2011
17:51
Die meisten Verkehrssünder kommen aus NRW
von Juliusfritz | #59

Lieber Georg Washuber,
ich halte sicherlich nicht Sie für einen Banananbieger, vielleicht eher die Mitmenschen, denen offensichtlich die öffentliche Sicherheit weniger Wert ist, als das Geld was sie mit dem Ruf nach Sicherheit einnehmen können.
Sicherheit kostet nun mal Geld, aber das will keine Behörde und kein Politiker ausgeben.
Es läßt sich gut daran verdienen, andere zu Maßregeln, wenn vermeintliche Sicherheit mißachtet wurden.
Allein schon eine Fahrbahn mit Hindernissen aufpolstern bringt eine Minderung der Geschwindigtkeit, aber nein.
Die Kreisverwaltungen sitzen in den Etatsitzungen und stellen Hochrechnungen an, wieviel Mehreinnahmen sie 2012 durch Bußgelder zu erwarten haben, damit der Haushaltsausgleich erfolgen kann,
Sicherheit im Straßenverkehr, daran hat früher vielleicht der Verkehrskasperle geglaubt, aber kein Poliiker.
Wir müssen alle nur zahlen, damit der Laden nicht Pleite geht, sonst nichts.

29.06.2011
17:31
Die meisten Verkehrssünder kommen aus NRW
von GeorgWashuber | #58

Man mag mich ruhig als Bananenbieger bezeichnen (so etwas bin ich gewohnt), aber Ordnung muss nun einmal sein, vor allem, wenn es um die körperliche Unversehrtheit der Bürger geht. (Deshalb setze ich mich ja auch besonders für die Belange der Gesundheit ein.) Mit der heutigen Technik ließe sich jedenfalls bewerkstelligen, dass die aktuell zulässige Geschwindigkeit über verteilte Sender wie beim Mobilfunk an die Fahrzeuge übermittelt wird und diese die Motoren bei deren Erreichen automatisch abregeln. Analog dazu könnte man das Überfahren roter Ampeln verhindern. Dass diese Maßnahmen noch nicht einmal angedacht werden, belegt für mich, dass die Politiker einfach kein Interesse an diesem technischen Fortschritt haben. Es scheint also noch eine Menge Überzeugungsarbeit erforderlich zu sein - oder die politische Zunft müsste einfach der Vernunft folgen.

29.06.2011
16:58
Die meisten Verkehrssünder kommen aus NRW
von silera | #57

Wenn man bedenkt das in Bayern noch die meisten Pferdefuhrwerke und Ochsenkarren fahren,steht NRW noch gut dar. Außerdem wird hier wieder die Statistik voll ausgelutscht.Diese Angaben vergleichen wieder Äpfel mit Birnen.

29.06.2011
16:54
Die meisten Verkehrssünder kommen aus NRW
von Juliusfritz | #56

Es mag ja sein, dass die Kommentatoren, vielleicht auch ich, einfach auf die Tasten hauen, aber erstaunlicherweise nehmen in unserem Land auch die Bananenbieger zu, die meinen alles wieder kontroliieren, alles wieder anzeigen und maßregeln zu müssen.
Gib einen Deutschen eine Zipfelmütze und schon ist er wieder General und pfeift andere an.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/4812754/create

Aktuelle Fotos und Videos
Porsche 911 Carrera
Video
Video
Mercedes Travego
Video
Video
Audi A6 Allroad quattro
Video
Fahrbericht
Mazda5
Video
Fahrbericht
Aus dem Ressort
Versicherer warnen vor Zweirad-Tuning
Tuning
Technisch ist es nicht besonders schwierig, Mofas oder Mopeds auf Geschwindigkeiten von bis zu 80 km/h zu frisieren. Genau davor warnen Versicherer jetzt: Die Unfallgefahr bei Zweirad-Tuning ist nämlich weit höher als angenommen.
Foto 6 Kommentare 6
BMW Dreier touring - Mehr Platz geht kaum
Neuvorstellung
BMW bringt im Herbst mit dem BMW 3er Touring eine Kombi-Version der Dreier-Reihe auf den Markt. Der Neue bietet jede Menge Stauraum und reduzierte Verbrauchswerte. Wie viel das Modell kosten soll, ist aber noch nicht klar.
Video