Das Aldi-Auto

Mit 9990 Euro Einstandspreis der günstigste Van weit und breit: in Marokko gebauter Dacia Lodgy
Mit 9990 Euro Einstandspreis der günstigste Van weit und breit: in Marokko gebauter Dacia Lodgy
Foto: Jakob Studnar
Was wir bereits wissen
Mit dem Dacia Lodgy gilt das Discountprinzip auch in der Van-Klasse:Preis ganz unten, Qualität sehr ordentlich, Premiumanspruch null.

Mehmet Scholl fährt typisch unrasiert in TV-Werbespots für Dacias Pseudo-Geländewagen Duster (unter dem dummen Motto „Das Anti-Statussymbol“) herum. Eigentlich müsste der liebe Scholli als dreifacher Familienvater den Lodgy fahren, in vieler Hinsicht das Auto des Jahres von Renaults Billigmarke. Platz für die Ex-Spielerfrau und die aktuelle Exspieler-Frau wäre in dem Minivan auch noch genug.

Fast unfassbare 10 000 Euro verlangt Dacia für den 4,50 Meter langen Minivan. Dessen schlichte, aber nicht hässliche Blech-Verpackung ohne teure Designer-Schmisse, -Sicken und -Kanten wird nicht in der rumänischen Heimat der Marke Dacia gebaut, sondern noch arbeitskostengünstiger im marokkanischen Tanger. Die zusätzlichen beiden Notsitze in der dritten Reihe kosten 590 Euro, schränken aber den ansonsten 827 Liter riesigen Kofferraum stark ein.

Womit man bei den Preisen ist. Für 9990 Euro gibt es nur einen schlappen 85-PS-Benziner und keine Extras. Für 11000 Euro erwirbt man das Recht, Klimaanlage und Radio (zusammen als Extra 950 Euro im Paket) und Höhenverstellung von Sitz und Lenkrad (300 Euro) dazukaufen zu dürfen. Immer an Bord sind die Sicherheitsbasics Front- und Seitenairbags, Isofix-Kindersitzbefestigungen hinten sowie der Schleuderschutz ESP. Immer fehlen Premiuman-strich – Kunststoff ist Trumpf – oder weitergehende Komfortmerkmale. So müssen die Fensterheberschalter immer schön den ganzen Weg rauf oder runter gedrückt bleiben. Nervt.

Am Ende landet man mit dem Lodgy bei 14 700 Euro für die 90-PS-Version des Dieselmotors oder bei 16 500 Euro für dessen 110-PS-Version mit „Vollausstattung“. Laut der Gebrauchtwagenpreis-Bibel von Schwacke erhält man dafür aus zweiter Hand auf dem Privatmarkt einen dieselnden VW Touran von 2011 mit 31 000 Kilometern auf dem Tacho. Ein neuer, naturellement schickerer Scenic-Van mit dem selben Motor kostet bei Renault 22 150 Euro. Allerdings: Bei Dacia gibt es keinen Cent Rabatt, bei Renault wie bei anderen kriselnden Massenherstellern locker über 20 Prozent

Und wie fährt er nun, der Billigheimer? Das ist die eigentliche Überraschung: Er fährt richtig gut und wie ein Pkw, nicht wie ein Transporter. Auch bei Ausnutzung der vollen Zuladung von Laster-haften 600 Kilogramm attestierten ihm Fachzeitschriften wie „auto, motor und sport“ hohe Fahrsicherheit. Sicher: Der Fahrkomfort erreicht nicht Touran-Niveau, lässt aber nicht viel vermissen. Am ehe-sten stört die eingeschränkte Verstellbarkeit von Fahrersitz und des nur etwas in der Höhe einstellbaren Lenkrads.

Fazit: Der Lodgy ist mehr wert als sein Preis. Oder um es mit der Abwandlung eines der besten Sprüche von Dacia-Werbeträger Scholl zu sagen: „Ich hatte noch nie Stress mit meiner Frau, bis auf das eine Mal, als sie den Schlüssel vom Lodgy haben wollte.“ (Eigentlich sagte er: „. . . bis auf das eine mal, wo sie mit aufs Hochzeitsfoto wollte“.)