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Blitzmarathon in NRW - Experte hat Zweifel an Messungen

06.06.2013 | 06:30 Uhr
Geblitzt - aber ist das Messergebnis auch zuverlässig? Eine Studie lässt daran Zweifel.Foto: Polizei/Archiv

Essen.   28.000 Autofahrer sind beim jüngsten Blitzmarathon in NRW beim zu-schnell-Fahren erwischt worden. Doch eine Studie zeigt: Ein Drittel der Bußgeldbescheide nach Geschwindigkeitsmessungen haben Mängel. Gerade mobile Messgeräte sind anfällig für Fehler. Wenn sie falsch bedient werden.

Mit Tempo 134 war am Dienstag in Essen ein Autofahrer während des jüngsten "Blitzmarathon " in NRW gemessen worden - auf der Wuppertaler Straße im Stadtteil Bergerhausen, wo man höchstens 70 Stundenkilometer fahren darf. Es kommt nicht selten vor, dass Autos an dieser Stelle deutlich schneller unterwegs sind als erlaubt. Insgesamt 28.000 Autofahrer waren beim vierten NRW-Blitzmarathon von Dienstag auf Mittwoch erwischt worden. Doch nimmt man das Ergebnis einer Studie, könnten womöglich ein Drittel der Vorwürfe nicht haltbar sein.

"Vor allem Laserpistolen sind anfällig für Fehler", sagt Hans-Peter Grün, Gründer der Sachverständigengesellschaft VUT im saarländischen Püttlingen. Der 56-Jährige war drei Jahrezehnte bei der Polizei, davon viele Jahre in Führungsfunktionen. Er hat ein Videoverfahren zur Geschwindigkeitsmessung entwickelt und 2006 die Seite gewechselt. Seitdem ist Grün kein Gegner von Tempomessungen, er sieht sich aber als "Kritiker der Behörden". Grün berät Anwälte und Gerichte als Gutachter in Streitfällen bei Geschwindigkeitsverstößen. Er bildet mittlerweile auch Sachverständige aus. Und er versucht darauf einzuwirken, dass Hersteller von Starenkästen, mobilen Blitzern und Co. die zugrundeliegenden Messverfahren transparent machen. Auch um Kontrollen den Ruch der "Abzocke" zu nehmen.

Geschwindigkeitsmessungen - ein Drittel ist mangelhaft

Verkehrssachverständiger mit Spezialgebiet Geschwindigkeitsüberwachung: Hans-Peter Grün sieht sich als "Kritiker der Behörden". (Foto: Privat)

Ob Blitzmarathon oder nicht: Für Grün es schlicht "katastrophal", was bei amtlichen Tempokontrollen von Polizei oder Kommunen nach wie vor schlief läuft - zu Lasten der Beschuldigten. Fast 15.000 Akten angeblicher Raser hat Grün in den vergangenen sieben Jahren untersucht und für den Deutschen Verkehrsgerichtstag 2013 in Goslar ausgewertet.

Sein Ergebnis: Nur 44 Prozent der Fälle erwiesen sich nach Grüns Prüfung als hieb- und stichfest. In acht Prozent der Fälle konstatierte Grün am Ende einen "falschen Tatvorwurf", weil die Messwerte nicht stimmten. Oder weil Beweismittel fehlten oder es sie gar nicht gab. In 25 Prozent der Fälle war die Beweisführung im Bußgeldbescheid mangelhaft. Der Bescheid hätte nach Grüns Einschätzung "nach Aktenlage nicht erlassen werden dürfen".

Aber wo liegen die Probleme?

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Kommentare
09.06.2013
18:25
Worauf sollte es ankommen?
von netzschrecken | #22

Da wird wohl jeder zustimmen: Auf mehr Sicherheit im Strassenverkehr. Das heißt weniger Tote und Verletzte.
Dies erzielt man am Besten mit der Überprüfung der Fahrtüchtigkeit und der psychologischen Eignung zur Teilnahme am Verkehr. Da sich diese Faktoren mit zeitlicher Entfernung zur Fahrschulprüfung zunehmend verschlechtern, ist eine regelmäßige Überprüfung unabdingbar.
Misanthrope Zeitgenossen, die anstatt ordentlich zu fahren, lieber andere herumkommandieren, anhupen, ausbremsen oder sonstwie behindern stellen die größte Gefahr im Strassenverkehr dar. Wer wie MarkRuengermann gleich jeden Tempo-60-Fahrer mit Fahrverbot und öffentlichem Anprangern bestrafen will, wird vermutlich eine MPU nicht bestehen. Und das ist gut so.

09.06.2013
14:38
Worauf kommt es an?
von MarkRuengermann | #21

Ist es nicht wichtiger festzustellen, dass jemand ein Raser ist, als den genauen Betrag der Überschreitung zu quantifizieren? Genau wie bei der Tatsachenentscheidung im Fußball hat der Autofahrer das Bußgeld gemäß der ausgewiesenen Überschreitung zu bezahlen und kommt damit immer noch relativ mild davon. Da die Beamten unberechtigterweise "kleine" Verstößen bis 5 km/h meist ungeahndet lassen, wird wohl kaum jemand unberechtigterweise zur Kasse gebeten. Eigentlich gehörten alle Raser in einer zentralen Datei veröffentlicht, und Fahrverbote müssten bei jeglicher Art von Raserei greifen.

07.06.2013
06:01
Blitzmarathon in NRW - Experte hat Zweifel an Messungen
von Berat1 | #20

Es wird schon seinen Grund haben, dass die Polizei ihn nicht mehr haben wollte.....

06.06.2013
15:14
Blitzmarathon in NRW - Experte hat Zweifel an Messungen
von Entschuldigung | #19

Kritziker der Behörden!
Haha,
eher einer, der mit Schwachsinn in die Zeitung kommen will.
Wenn ich meine Waschmaschine nicht richtig bediene, kanns sein, dass die Wäsche nicht sauber wird!

06.06.2013
14:04
Blitzmarathon in NRW - Experte hat Zweifel an Messungen
von ghostman | #18

In diesem lande gibt es dank offener Grenzen für die Polizei besseres zu tun als "Blitzmarathon" für den Selbstdarsteller Jäger. Da werden nur Überstunden ohne Ende produziert und fragliche Ergebnisse erzielt.

06.06.2013
13:46
Blitzmarathon in NRW - Experte hat Zweifel an Messungen
von wohlzufrieden | #17

Der Mann sollte besser an sich selber zweifeln...

06.06.2013
13:21
Blitzmarathon in NRW - Experte hat Zweifel an Messungen
von wimmel | #16

Eine Lachnummer und riesen Verarsc...,
670.000 mal wurden Fahrzeuge gemessen, großzügig sagen wir mal, also jeder 5. der die Meßstellen passierte, macht 3.350.000 Mil Verkehrsteilnehmer. Die 28000 Verstöße bewegen sich dann nur noch im Promillbereich und nicht in zehntelprozent Bereichen wie man den Menschen falscherweise einimpfen will. Hier wird mit Kanonen auf Fliegen geschossen.
Auch die WAZ sollte sich mal Gedanken über Statistiken machen und nicht jeden Unsinn ungeprüft verbreiten. Es reicht das Lobby und Politik das schon zur Genüge praktizieren !!

3 Antworten
Blitzmarathon in NRW - Experte hat Zweifel an Messungen
von Pottkind-468 | #16-1

Auch wenn du deine Zahlen "großzügig" an den Haaren herbeiziehst. kann ein bißchen solides Rechnen nicht verkehrt sein. 28000 sind 0,84% von deinen 3350000. Mithin also deutlich im Zehnrelprozentbereich und nicht etwa im Promillespektrum. Warum also so ungehalten? Selbst erwischt worden???

Blitzmarathon in NRW - Experte hat Zweifel an Messungen
von SchichtimSchacht | #16-2

Ich klugscheiße ja nur ungern. Aber wenn sich in den letzten 35 Jahren nichts Gravierendes in der Mathematik getan hat, dann ist ein Promille (1 Tausendstel) genau ein Zehntel Prozent (0,1 Hundertstel).

Blitzmarathon in NRW - Experte hat Zweifel an Messungen
von Stadewaeldchen | #16-3

@SchichtimSchacht: "Ein drittel? Ich will mindestens ein viertel!" ;-)

06.06.2013
13:04
Blitzmarathon in NRW - Experte hat Zweifel an Messungen
von tomatenkiller_neo | #15

Leider ist der Begriff Experte nicht geschützt, man denke nur an Rentenexperten,
Wirtschaftsexperten, Verteidigungsexperte und und und, alles Fachleute :-)))

In einer 30-Zone kann man mich gerne überholen, aber dazu sind idR diese
Kofferraumlecker zu feige.

#7 Und genau für solche Fälle habe ich immer einen Knüppel im Kofferraum.

1 Antwort
Blitzmarathon in NRW - Experte hat Zweifel an Messungen
von herb630 | #15-1

:-)))) da passt der Username mal wieder.

06.06.2013
12:55
Blitzmarathon in NRW - Experte hat Zweifel an Messungen
von EhemaligerMendener | #14

Was der Herr Sachverständige will ist doch klar: Neue Aufträge.
8% haben also einen falschen Tatvorwurf. Soso, vieleicht sagt er auch mal, dass dieser falsche Tatvorwurf auch bedeuten kann, das die Geschwindigkeit um 1km/h zu hoch ODER tief gemessen wurde.
Paragrafenreiter und Rechtsverdreher sind das. Nur um selber Geld machen zu können. Und wer hier jammert: 15€ für 7 km/h zu schnell, sry, aber das ist lächerlich sich darüber aufzuregen.
Wie sagte #5-1: Mal sehen was sie sagen wenn sie erwischt werden
Da halte ich gegen: Mal sehen was sie sagen wenn ihr Kind wegen einem Raser niedergefahren wurde.

06.06.2013
12:16
Blitzmarathon in NRW - Experte hat Zweifel an Messungen
von mar.go | #13

Und damit hat der Herr Sachverständige per Ferndiagnose entschieden, daß auch bei den Kontrollen der vergangenen Tage fehlerhafte Geräte eingesetzt und damit Falschmessungen durchgeführt wurden.
Aber natürlich erst nach Beendigung der ganzen Aktion, so daß die Raser jetzt genügend Gründe haben, die Bußgeldbescheide anzufechten.
Vielleicht sollte man dem "Kritiker der Behörden" dann die Kosten der jeweiligen Verfahren auferlegen.
Was wir brauchen ist Verständnis für den schwächeren Verkehrsteilnehmer, und entsprechend angepasste Fahrweise - keine Wichtigtuer die im Nachhinein mit
einem viel besseren Verfahren kommen, daß sie - natürlich zufällig - selbst entwickelt haben .

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