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Bei Blechschäden will die Polizei nicht mehr ausrücken

13.08.2012 | 06:36 Uhr
Die Polizei kann in Zukunft offenbar nicht mehr der allzuständige „Freund und Helfer“ seinFoto: Guido Schulmann

Münster.  Künftig sollen die Aufgaben der Polizei anders verteilt werden. So sollen bei Bagatellunfällen keine Polizisten mehr ausrücken. Dies fordert Münsters Polizeichef. Man müsse den Aufwand mehr in die Richtung neuer Formen von Kriminalität lenken.

Die Polizei kann in Zukunft offenbar nicht mehr der allzuständige „Freund und Helfer“ sein. „Durch neue Formen der Kriminalität haben wir einen zusätzlichen Personalbedarf. Wir müssen uns von Aufgaben trennen“, fordert Münsters Polizeichef Hubert Wimber, der auch der Arbeitsgemeinschaft deutscher Polizeipräsidenten vorsitzt.

Polizisten sollten nicht mehr ausrücken, um Bagatellunfälle im Straßenverkehr aufzunehmen, bei de­nen es nur Blech-, aber keine Personenschäden gibt. „Mit einem Personalaufwand von regelmäßig zwei Kollegen und einem Zeitaufwand von einer bis eineinhalb Stunden klären wir Sachverhalte für die Haftpflichtversicherer“, beklagte Wimber in einem WAZ- Gespräch.

Nach einer Erhebung, die er in Auftrag gegeben habe, würden diese Einsätze schon 30 Prozent des Wach- und Wechseldienstes in Anspruch nehmen. Dabei „sind Bagatellunfälle keine Aufgabe der Polizei“, sagte Wimber. Er verstehe es, wenn Unfallbeteiligte Rechtssicherheit verlangten. Aber es gebe die Möglichkeit, das durch ausreichend präzise Versicherungsunterlagen zu garantieren.

Auch Begleitung von Schwertransporten auf der Strichliste

Auf Wimbers Strichliste steht auch die Begleitung von Schwertransporten auf der Autobahn. „Kann der Unternehmer nicht selbst dafür verantwortlich sein?“, fragt der Polizeipräsident. Und: „Es gibt sachverständige private Firmen, die das gegen Bezahlung regeln.“

Polizei in Blau

Die deutschen Polizeichefs, die sich mit der Arbeitsgemeinschaft der Polizeipräsidenten künftig stärker in sicherheitspolitischen Debatten engagieren wollen, führen derzeit bereits Gespräche über eine Verringerung der Polizeipräsenz bei der Sicherung von Fußballspielen. „Ein Drittel der geschlossenen Einsätze der Bereitschaftspolizei sind Fußballeinsätze. Das sind 260.000 Ar­beitsstunden im ersten halben Jahr in NRW gewesen“, sagt Wimber. Dies könne so nicht bleiben.

Dagegen teilt Wimber nicht die Forderungen der Polizeigewerkschaften nach mehr Personal. Gerade in NRW „stabilisiere“ sich die Situation, sagte er. „Ich lobe diese Landesregierung und auch ihre Vorgängerregierung.“ Die Präsidien könnten bis 2016 mehr Bewerber einstellen als Polizisten in den Ruhestand gingen. „Wir können zunächst mit einer konstanten Zahl von 39.000 Beamten planen. Mehr gibt der Landeshaushalt nicht her. Es hat keinen Sinn, immer nach dem Mehr zu rufen."

Dietmar Seher



Kommentare
15.08.2012
12:54
Bei Blechschäden will die Polizei nicht mehr ausrücken
von HalloAusDemPott | #48

Viele dieser Beamten, haben die Arbeit auch nicht gerade erfunden.

Aber die Gehälter, dürfen wir von unseren Steuergeldern bezahlen.

14.08.2012
00:11
Bei Blechschäden will die Polizei nicht mehr ausrücken
von Biker72 | #47

Vorgestern sah ich 4(!) Polizeibeamte an einer mobilen Lasermessstation. Und dann seh ich diesen Bericht. Verstehen muss man das nicht oder?

13.08.2012
21:55
Bei Blechschäden will die Polizei nicht mehr ausrücken
von Glucken-Mutti | #46

Eine Bekannte von mir hat kürzlich einen Blechschaden an einem abgestellten Auto verursacht; Sie ist daraufhin auf direktem Wege zur nächsten Polizeistation gefahren und hat den Schaden gemeldet... - Momentan ist sie nun ihren Führerschein los. Wegen der "Fahrerflucht", die sie begangen hat. Die kaputte Stoßstange des Geschädigten war mit einem Spezial-Effekt-Lack lakiert und deshalb kein Bagatell-Schaden.... - Dumm gelaufen, für sie !

13.08.2012
21:02
Bei Blechschäden will die Polizei nicht mehr ausrücken
von joergel | #45

Wieviel unklare Bagatellunfälle sollen wohl demnächst die Gerichte durch mehrere Instanzen beschäftigen? Das war ja auch zu einfach als die Polizei an der Unfallstelle eine Verwarnung aussprach - und der Schuldige stand gleich fest.

Aber klagen die Gerichte nicht auch seit längerer Zeit über ihre Überlastung?

Das ist dem Polizeipräsidenten vom Münster total egal. Er will seine Leute lieber für andere Dinge freisetzen, die ja soviel wichtiger sind. Wie zum Beispiel tagelange landesweite Geschwindigkeitskontrollen durch unseren Herrn Innenminister.

Aber sind Polizeibeamte nicht unter dem Strich billiger wie Richter und Staatsanwälte, Herr Wimber?

Das interessiert nicht. Es ist doch viel einfacher den Aktenstapel von der linken auf die rechte Schreibtischseite zu verschieben, sprich von der Polizei zur Justiz. Denn letztlich zahlt es doch sowieso der Steuerzahler. Nur eben ein sehr viel mehr wenn solche Forderungen durchkommen...

13.08.2012
18:50
Bei Blechschäden will die Polizei nicht mehr ausrücken
von aufkoks | #44

die mädels und buben dürfen doch nicht ihre schucken uniformen dreckig machen. abrbeit !!! pfui deibel.

13.08.2012
16:06
Bei Blechschäden will die Polizei nicht mehr ausrücken
von wohlzufrieden | #43

Und demnächst werden Waffen an alle Bürger ausgegeben, und jeder, der sich als schief angeguckt betrachtet, darf sofort schießen, wie in Florida, da die Polizei mit wichtigeren Aufgaben beschäftigt ist, wie mit der Absicherung von Blödball-Spielen. Das ist der erste Schritt auf den Weg ins Mittelalter und das Recht des, vermeintlich, stärkeren...

13.08.2012
15:30
Bei Blechschäden will die Polizei nicht mehr ausrücken
von sak1 | #42

tja viel wichtiger ist, geschwindigkeitskontrolle, damit kann man die kassen füllen. in welch einem land leben wir eigentlich!?

13.08.2012
12:59
Bei Blechschäden will die Polizei nicht mehr ausrücken
von Hubelwusel | #41

Wenn Die Grünen einen Castor Transport mal ohne folkloristische Tanzeinlage durchlassen würden, könnten auch einige Überstunden bei der Polizei abgebaut werden.

13.08.2012
12:30
Bei Blechschäden will die Polizei nicht mehr ausrücken
von Trompeten-Charly | #40

Es mag ja sein, daß die Polizei bei der Bewältigung ihrer Aufgaben "etwas differenzierter" vorgehen muß. Wenn dies aber - nur personalbedingt - zu einer Reduzierung ihrer Präsenz bei der Bewertung/Verfolgung/Besicherungen von Verkehrsunfällen führt, so geht die Differenzierung in die falsche Richtung. Wer für Fußball-Bundesligaspiele Personal abstellen kann, kann auch dem normalen Verkehrsteilnehmer zu Hilfe kommen.

13.08.2012
11:55
Bei Blechschäden will die Polizei nicht mehr ausrücken
von trickflyer | #39

hauptsache der ball rollt und tausende polizisten haben da ihren spass.....wenn präsis ihre feuchten träume ausleben.

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