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B-Klasse ist der Mercedes für die Mitte der Gesellschaft

29.08.2012 | 08:45 Uhr
B-Klasse ist der Mercedes für die Mitte der Gesellschaft
Lang, hoch, sicher: Mercedes hat mit der neuen B-Klasse ein durchaus attraktives Modell gebaut. Billig ist das nicht.

Essen.  Die B-Klasse kostet so viel wie der Durchschnitt aller verkauften Neuwagen auf dem deutschen Markt. Die kompakte Hochraumlimousine ist damit der Mercedes für die Mitte der Gesellschaft und ein einzigartiges Angebot in der Golf-Klasse.

B-Klasse, das klingt immer noch ein bisschen nach „Zweite Wahl“. Dabei ist der hoch aufragende Mercedes ein einzigartiges Angebot in der Golf-Klasse. Fällt der schräge Fronttriebler aber auch unter die Güte-Kategorie Handelsklasse A?

Die neue B-Klasse ist nicht mehr wie die alte Langfassung der A-Klasse, sondern deren Hoch-Version (1,56 m statt 1,43 m). Von „Kompakt“ kann man bei 4,36 Meter Länge des „hohen Bruders“ nur sprechen, wenn man ihn als Minivan sieht. Ein Kompaktvan ist das „dicke B“ aber nicht, Vergleiche wie die des ADAC mit dem Opel Zafira sind schlicht unsinnig.

Schon die letzte Mitfahrgelegenheit auf der Mitte der Rücksitzbank ist kein richtiger Sitzplatz, sondern eine Notlösung. Van-artig ist jedoch der mit knapp 500 Liter Volumen sehr große Kofferraum. Mit der um 14 Zentimeter in der Länge verstellbaren Rücksitzbank als teures Extra soll die kompakte Hochraumlimousine Sperriges wie eine Waschmaschine schlucken können.

Jüngere Kundschaft angepeilt

Als rollenden Umzugskarton wird man die B-Klasse aber nur sehr selten sehen, denn für junge Familien ist der gute Stern aus Untertürkheim zu teuer. Der Basispreis entspricht ziemlich genau dem Durchschnittspreis aller Neuwagenverkäufe auf dem deutschen Markt: knapp 27.000 Euro für 122 Benziner-PS (109-PS-Diesel ab 28.000 Euro) inklusive guter Sicherheits- und Komfortausstattung.

Damit ist die B-Klasse der Mercedes für die Mitte der Gesellschaft, deren Vertretern eine echte Daimler-Stufenhecklimousine (C-Klasse ab 33.200 Euro) zu teuer ist oder nichts bedeutet. Solche Fälle soll es ja geben.

Eine kurze Geschichte der langen B-Klasse

Eine Betrachtung der neuen B-Klasse wäre nicht vollständig ohne einen Blick auf die alte. Das erste B war die lange (und 3500 Euro teurere!) Version der A-Klasse. Mit der wollte Mercedes 1996 das Auto zu seinem 100. Geburtstag ganz unbescheiden neu erfinden, was nicht nur am Elchtest kläglich scheiterte.

Der für alternative Antriebe vorgesehene doppelte und damit hohe Boden zwang Passagiere in eine schlechte Sitzhaltung mit angezogenen Knien. In die Serie schaffte es die fürs Untergeschoss vorgesehenen Batterien und Brennstoffzellen aber nie. Und mit den Kleinwagenmaßen war es bald wieder vorbei. Aus ursprünglich kurz geschnittenen 3,57 Meter Länge der Ur-A-Klasse waren 2005 bei der B-Klasse Nummer eins bereits stolze 4,27 Meter geworden.

Doch ob Mercedes damit die angepeilte jüngere Kundschaft erreicht? Am Ende bleibt die hohe B-Klasse ein Opa-Auto mit gruseligen Plastik-Holz-Leisten, wenn auch ein sehr gutes mit Stern. Dagegen sieht ein Golf-Plus für die Generation, die bequemen Einstieg und höhere Sitzposition mehr schätzt als Doppelauspuff und Sportfahrwerk, einfach alt aus.

Den seit längerem erfolgreichen „stylischen“ Premium-Konkurrenten Einser-BMW und Audi A3 jüngere Kunden abjagen wird Mercedes eher mit der 1500 Euro günstigeren A-Klasse , denn trotz maximal 211 PS bleibt das B optisch ein Dickerchen, bei dem man ein Auge zudrücken muss, um es schön zu finden.

Zusätzliche Sicherheitsfeatures treiben den Preis

Und die B-Klasse gehört zu den Sternchen, bei dem sich der Sicherheitsapostel Daimler Sicherheitsfeatures extra bezahlen lässt, Seitenairbags hinten etwa (450 Euro) und das Unfallfolgen-Verhütungssystem Pre-Safe (400 Euro). Ein abschließbares Handschuhfach gibt es nicht einmal gegen Aufpreis. Serienmäßig ist bei der neuen B-Klasse die Erkenntnis, dass Mercedes ein gutes Frontantriebsfahrwerk bauen kann.

Gerd Heidecke



Kommentare
30.08.2012
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