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Autokauf auf Pump wird zum Normalfall

18.05.2009 | 06:56 Uhr
Autokauf auf Pump wird zum Normalfall

Essen. Immer weniger Menschen zahlen ihr Auto bar. Hinter den meisten Privatwagenkäufen steckt ein Drei-Wege-Kredit.

Es war einmal im Autohaus: der Barzahler. Im Neuwagengeschäft ist er eine aussterbende Art, nur beim Gebrauchtkauf unter Privatleuten wechseln noch überwiegend Geld- gegen Fahrzeugscheine. Autokauf auf Pump ist längst der Normalfall, die Ballonfinanzierung dabei das Erfolgsmodell.

Drei-Wege-Finanzierung ist der andere Begriff dafür: In der Regel 20 Prozent Anzahlung, für die oft das alte Auto eingebracht wird. Dann meist über den Zeitraum von drei Jahren niedrige Raten, und am Ende ein dicker „Ballon” mit einer festgesetzten Restschuld. Zu der Summe kann das Auto garantiert übernommen werden. Der Kunde hat aber auch uneingeschränktes Rückgaberecht an den Händler. Dann kann man sich höchstens noch streiten, ob der Wagen „vertragsgemäß” benutzt wurde.

Kaum jemand entscheidet sich mehr für den klassischen Ratenvertrag

Die Kombination aus geringem Eigenkapitalbedarf und Risikolosigkeit ist das Erfolgsgeheimnis des ständig steigenden Ballon-Anteils. Bei der VW-Bank, Europas größtem Autofinanzierer, werden 70 Prozent der Privatverkäufe finanziert, und das überwiegend mit dem Drei-Wege-Modell. Nur wenige entscheiden sich noch für einen klassischen mehrjährigen Ratenvertrag.

Dass Barzahler besser fahren sei ein Märchen von früher – behaupten zumindest die Autobanken. Tatsächlich versuchen alle, Kunden ein Rundum-sorglos-Paket zu verkaufen und diese nach dem Kauf im „After-Sales”-Bereich nicht mehr aus den Fingern zu lassen. Das kann sich die Bank natürlich beim Einstieg ins Geschäft etwas kosten lassen.

Oft steckt in den niedrigen Zinsen ein Rabatt

Wie bei allen Kreditgeschäften und im Gegensatz zum Leasingvertrag muss bei der Ballonfinanzierung ein effektiver Jahreszinssatz ausgewiesen werden. Den halten die Banken der großen Pkw-Bauer aus kosmetischen Gründen gering.

Zudem steckt in niedrigen Zinsen oft ein versteckter Rabatt. Keine drei Prozent verlangt die VW Bank für die Finanzierung eines Golf. Zum Vergleich: Bei Gebrauchtwagen verlangen die VW-Banker im Schnitt acht Prozent.

Aber es gibt zwei Punkte, die ein Risiko für den Ballon-Fahrer bergen. Im Falle eines Totalschadens kann (wie beim Leasing) ein „Gap”, eine Lücke, entstehen. Dies geschieht, wenn die Versicherung weniger zahlt, als die Restschuld beim Totalverlust noch beträgt. Dieses Risiko lässt sich, ebenso wie Arbeitslosigkeit und Todesfall, zusätzlich günstig absichern. Der Kreditschutzbrief für einen 16 000 Euro teuren Polo kostet über drei Jahre hinweg zehn Euro im Monat.

Ballonfinanzierung ähnelt dem Leasing

Zum Streitpunkt kann bei Fahrzeugrückgabe die Frage werden, ob vertragsgemäßer Gebrauch vorliegt oder eben nicht. Da der Händler meist das Restwertrisiko trägt, wird er ein verbeultes „Möhrchen” nicht akzeptieren, wenn er ein normal gepflegtes dreijähriges Gebrauchtauto erwarten darf. Die vertraglich vereinbarten Gesamtkilometer sollten nicht oder nur unwesentlich überschritten sein.

Insgesamt ähnelt die Ballonfinanzierung dem Leasing. So heißt sie zum Beispiel in den Niederlanden „Privat Lease”. Wirklich privates Leasing im Autobereich ist etwas für Menschen, die gern rechnen. Nicht zuletzt wegen des fehlenden effektiven Zinssatzes sind Angebote schwerer zu vergleichen. Hier muss je eine Gesamtkostenbilanz über die Laufzeit erstellt werden. Gängig ist ein Kilometervertrag mit festgesetzter Laufleistung.

Wer vom Spekulieren immer noch nicht genug hat, kann einen Leasing-Restwertvertrag abschließen. Liegt der tatsächliche Restwert am Ende über dem vertraglichen Ansatz, erhält der Kunde 75 Prozent des Mehrwertes. Umgekehrt haftet er aber voll für einen Minderwert.

Gerd Heidecke

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Kommentare
20.05.2009
10:48
Autokauf auf Pump wird zum Normalfall
von Horst54 | #24

Vor zehn Jahren hätte sich niemand einen Golf oder Astra für 45000 bis 50000 DM gekauft. Heute kostet es halt 199,-€ im Monat....

19.05.2009
18:52
Autokauf auf Pump wird zum Normalfall
von Wassernixe | #23

@22: Es kann sich durchaus lohnen, in bar zu bezahlen. Allerdings muss man dafür auch was tun, und zwar verhandeln. Und wenn ich bedenke, dass mein Händler damals mit 10 % in die Verhandlung eingestiegen ist, .... Warum nicht?
Und gerade in der heutigen Zeit lässt sich sogar noch mehr aushandeln!

19.05.2009
10:40
Autokauf auf Pump wird zum Normalfall
von Alstadenerin | #22

Es lohnt sich doch gar nicht mehr, ein Auto bar zu bezahlen. Der Nachlass ist nicht höher als bei Finanzierung- ausserdem bekommt das Autohaus bei Finanzierungen noch einen Anteil des Zinssatzes als Belohnung. Aus diesem Grund sind die doch froh, wenn man nicht bar bezahlt. Diese Erfahrung habe ich erst vor einigen Monaten gemacht- der Verkäufer wollte unbedingt, dass ich finanziere...

19.05.2009
10:21
Autokauf auf Pump wird zum Normalfall
von derSAMMY | #21

Wenn das zweite Auto mit dem Restwert des ersten AUto finanziert wird und so weiter, dann ist das irgendwann vom Schneeball zur Lawine.......

Außerdem ist das Folgeauto in den meisten Fällen ja auch ein Stück luxoriöser, als der Vorgänger.....

Das ist alles nicht nachvollziehbar.
Mal davon abgesehen: Das AUto ist der Zweit-teuerste Gegenstand, den sich Otto-Normalverbraucher leistet und hat dabei den höchsten Wertverlust.
Der teuerste gegenstand ist die Wohnung oder Haus, welche aber im Gegenwert steigt, oder sich zumindest hält, wenn man selber drin wohnt.....

der SAMMY
(der nur einmal ein neues Auto gekauft hat, das aber nie wieder machen wird....)

19.05.2009
10:18
Autokauf auf Pump wird zum Normalfall
von King_F | #20

Mein Opa hat mir mal gesagt : Junge denk immer daran ... Alle Banken wollen nur dein bestes und das ist dein Geld. Traue deshalb nie einer Bank. Nach all den Jahren muss ich sagen das ich mit dem Rat vom Opa nicht schlecht gefahren bin.

19.05.2009
09:12
Autokauf auf Pump wird zum Normalfall
von RoteSocke | #19

Es wird einem auch wirklich einfach gemacht. Ich hab mal einen Fernseher finanzieren lassen. Weils nix extra gekostet hat. Die Banken werden sich da nur in den seltesten Fällen gegen den Willen des Händlers stellen. Diejenigen, die die Verbindlichkeiten nicht mehr bedienen können, gehen in die Privatinsolvenz und nach 6 Jahren fängt man wieder von vorne an.

19.05.2009
07:30
Autokauf auf Pump wird zum Normalfall
von Christian123456 | #18

@ Nils:
Sie haben zwar Recht - aber den Artikel trotzdem nicht verstanden. Es geht nicht um Barzahlen oder nicht, sondern um Sofortzahlung oder Finanzierung.

18.05.2009
22:43
Autokauf auf Pump wird zum Normalfall
von uteschnutekasimir | #17

@11

Siehe Netbank.de - 2,75% für 6 Monate. Danach zieht man zur nächsten Bank weiter...

18.05.2009
19:07
Autokauf auf Pump wird zum Normalfall
von Wassernixe | #16

In der Tat hat man als Barzahler die Chance nen ordentlichen Rabatt auszuhandeln.
Ich hatte nicht genügend Geld meinen Golf barzubezahlen. Habe über den VW-Händler ein Kreditangebot zu 2,99 % und über meine Sparkasse zu ca. 5,5 % bekommen und hab mich dennoch für die Sparkasse entschieden. Die Beraterin dort hat mir eine ganz praktische Tabelle vorgelegt, woraus man ablesen konnte wieviel Barzahlerrabatt man aushandeln muss, um günstiger oder geiech billig zu fahren. In meinem Fall waren das knapp 8 %. Hab dann mit dem Händler verhandelt, und bin schließlich bei 14 % Rabatt ausgekommen. So hab ich bei selber Laufzeit eine niedrige Rate, hab beim Kredit eine jederzeitige kostenlose Sondertilgungs- möglichkeit.
Dazu wohl noch einige Kleinigkeiten wie Autoschutzbrief, etc.

18.05.2009
18:56
Autokauf auf Pump wird zum Normalfall
von dasKollektiv | #15

Amerikanische Verhältnisse ala FDP, das dicke Ende kommt bestimmt..!

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