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Gibt es bei Smog schönere Sonnenuntergänge?

20.02.2012 | 08:19 Uhr
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Foto: /dapd/Sebastian Willnow

Die leuchtende Sonnenkugel wandert Richtung Horizont und taucht den Himmel allmählich in ein atemberaubendes Farbenspiel: Leuchtendes Gelb, sattes Orange, flammendes Rot - ein spektakuläres und sehr beliebtes Fotomotiv. Seltsamerweise soll es aber nicht in einsamen Naturparadiesen die schönsten und romantischsten Sonnenuntergänge geben, sondern gerade dort, wo die Luft am dreckigsten ist.

Bonn/Dortmund (dapd). Die leuchtende Sonnenkugel wandert Richtung Horizont und taucht den Himmel allmählich in ein atemberaubendes Farbenspiel: Leuchtendes Gelb, sattes Orange, flammendes Rot - ein spektakuläres und sehr beliebtes Fotomotiv. Seltsamerweise soll es aber nicht in einsamen Naturparadiesen die schönsten und romantischsten Sonnenuntergänge geben, sondern gerade dort, wo die Luft am dreckigsten ist. Je mehr Staub desto farbenprächtiger der Abendhimmel. Stimmt das?

"Das kommt ganz auf die Größe der Partikel an", sagt Metin Tolan, Professor für experimentelle Physik an der TU Dortmund. Tatsächlich entstünden bei einem Sonnenuntergang besonders intensive Farben, wenn sehr viele kleine Staubteilchen in der Luft schwebten, Rußteilchen von den Autoabgasen beispielsweise. Denn wenn eine Lichtwelle auf ein solches Partikelchen trifft, wird sie gestreut, also von ihrer geraden Bahn abgelenkt. Ein langwelliger Lichtstrahl, den unser Auge als rot wahrnimmt, wird weniger stark gestreut als ein blauer kurzwelliger Lichtstrahl der Farbe Blau.

"Die Staubteilchen filtern quasi die letzten Anteile des kalten Blaus aus dem abendlichen Sonnenlicht heraus und es bleiben nur noch die warmen Farben übrig", erklärt Andreas Bott, Meteorologe an der Universität Bonn. Wenn viele kleine Schmutzpartikel die Luft füllten, kämen daher die Rottöne am Abendhimmel noch mehr zum Vorschein. "Die rote Farbe wird noch voller und kräftiger", bestätigt Physiker Tolan.

Ob intensiv oder schwach - grundsätzlich erklären die Wissenschaftler den roten Abendhimmel so: Wenn die Sonne knapp über dem Horizont steht, legen die Lichtstrahlen eine viel weitere Strecke durch die Atmosphäre der Erde zurück. Die kurzwelligen Lichtwellen stoßen auf diesem Weg so oft mit Wassermolekülen und Staubteilchen zusammen, dass sie komplett verloren gehen, bis das Licht bei uns ankommt. Übrig bleiben bis auf einige wenige Reste nur die langwelligen roten Lichtwellen - und die sehen wir dann am Himmel.

Zu viel Staub in der Luft verdüstert das Farbenspiel allerdings. "Wenn die Staubteilchen zu groß sind, streuen sie das Sonnenlicht nicht mehr", sagt Bott, "sondern sie absorbieren es". Dabei erzeugten sie keine schönen Farben, sondern verdunkelten einfach nur den Himmel. "Große Partikel können das Licht auch reflektieren", ergänzt Tolan. Dann helle sich der Himmel auf, es entstünden weißliche Reflexe.

"Besonders schöne Sonnenuntergänge gibt es einige Tage nach Vulkanausbrüchen", sagt der Meteorologe Bott, "nämlich dann, wenn sich die großen Aschepartikel abgesetzt haben und nur noch die ganz feinen Partikel in der Atmosphäre schweben."

Dies brachte Forscher auf die Idee, in alten Gemälden nach Vulkanausbrüchen zu suchen. Christos Zerefos von der Universität in Athen hat mit seinen Kollegen viele hundert Bilder von Sonnenuntergängen untersucht, die Rubens, Rembrandt und andere Künstler gemalt hatten. Die Meteorologen analysierten mit einem Computer die Rot-Grün-Werte der dargestellten Horizonte. Tatsächlich entstanden nach Angaben der Forscher die Bilder mit den intensivsten Sonnenuntergängen in den Jahren, die einem dokumentierten Vulkanausbruch folgten.

dapd

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