Ulrike Odenthal hatte früher einen sehr langen Schulweg

Ulrike Odenthal und ihr Zwillingsbruder Hans-Joachim „Jockel“.
Ulrike Odenthal und ihr Zwillingsbruder Hans-Joachim „Jockel“.
Foto: Lars Heidrich
Was wir bereits wissen
Für unsere Serie „Oma & Opa, erzählt doch mal!“ berichtet Ulrike Odenthal von ihrem langen Schulweg zum Gymnasium. Sie wohnte in einem einsamen Dorf.

Viele Großeltern haben uns für unsere Serie „Oma & Opa, erzählt doch mal!“ geschrieben. Auch Ulrike Odenthal aus der Stadt Essen möchte Kindern berichten, wie es früher war. Hier ist ihre Geschichte:

„Ich bin 1944 im Saarland geboren und möchte von meinem langen Schulweg erzählen. Mein Vater war Kriegsgefangener und kam krank aus der Gefangenschaft nach Hause. Er hatte lange gehungert und dadurch eine Lungenerkrankung bekommen. Die Ärzte empfahlen ihm, in einen höher gelegenen Ort zu ziehen – wegen der Höhenluft, wie man uns sagte.

So zogen meine beiden Brüder und ich mit meinen Eltern in ein hochgelegenes kleines Dorf. Es hieß Hierscheid. Dort war die erste Dienststelle meines Vaters – er war Lehrer –, nachdem er wieder gesund geworden war.

Das Dorf lag sehr einsam

Für meine beiden Brüder und mich bedeutete die einsame Lage des Dorfes, dass wir nach unserer Volksschulzeit einen langen Schulweg zu Fuß zum Gymnasium hatten. Am Morgen ging es etwa drei Kilometer den Berg hinunter, dann weiter mit dem Zug und dem Bus. Nachmittags ging es wieder hoch ins Dorf.

In den heißen Sommertagen war es frühmorgens noch herrlich kühl und wir fanden viele Maikäfer, noch schlafend, die wir dann mit in die Schule nahmen und dort in den Papierkorb legten. Nach und nach flogen sie im Klassenzimmer umher.

Fast jeden Tag kam uns nach der Schule unsere Mutter mit dem Fahrrad entgegen und brachte uns kalten Tee in einer Milchkanne mit, der köstlich erfrischend war.

Im Winter gingen wir jeden Tag um 6.30 Uhr aus dem Haus. Manchmal fuhr ein Zechenbus, dem wir zuwinkten. Wenn der Fahrer nett war, hielt er und nahm uns ein Stück mit.

Wenn es viel geschneit hatte, setzten wir uns auf unsere Ranzen – sie hatten damals noch eine „glatte Seite“ – und rutschten die Straßen hinunter.

In der Schule gab es kleine Flaschen Milch und ich meldete mich jede Woche, die Kästen mit meiner Freundin aus den Fluren in die Klasse zu tragen, weil es dann eine Flasche extra gab. Ich mochte die Milch und da ich unterernährt war, bekam ich oft die zusätzliche Flasche.

Wir spielten immer nur draußen und hatten viel Freiheit.“