Pferdetrainerin Kenzie Dysli zähmte den Ostwind

In dem Film „Ostwind 2“ lernt Mika (rechts) einen geheimnisvollen Jungen kennen.
In dem Film „Ostwind 2“ lernt Mika (rechts) einen geheimnisvollen Jungen kennen.
Foto: Constantin Film
Die Pferdetrainerin aus Andalusien dressiert Hengste mit sanften Worten. Der Film „Ostwind 2“ wäre ohne ihre Hilfe wohl nur halb so spannend geworden.

Die meisten Erwachsenen behaupten, dass Zauberei nicht möglich ist. Doch wer Kenzie Dysli mit ihren Pferden sieht, sagt sofort: Das ist Magie! Die berühmte Reiterin schnalzt mit der Zunge – schon legt sich der Hengst auf den Boden wie ein zahmer kleiner Hund. Kenzie Dyslis Pferde sind in „Ostwind 2“, der am Donnerstag in die Kinos kommt, wieder die Hauptdarsteller. Die Filme über die Freundschaft zwischen dem Mädchen Mika und einem störrischen Hengst wären ohne die Hilfe der Pferdetrainerin wohl nie so erfolgreich geworden.

Ein rohes Ei auf dem Rücken

Schon als klitzekleines Mädchen hatte Kenzie eine ungewöhnliche Macht über Pferde. Sie ist in Deutschland geboren, dann kauften ihre Eltern eine Farm in Andalusien, dem Süden von Spanien. Kenzie war vier Jahre alt, da hob ihre Mutter sie auf den Rücken des Hengstes Dr. Bond. Das temperamentvolle Pferd wurde seelenruhig, senkte den Kopf und lief so vorsichtig, als hätte es ein rohes Ei auf dem Rücken. „Ich konnte reiten, bevor ich denken konnte“, sagt die heute 23-Jährige.

Kein Wunder. Kenzies Vater war ein bekannter Westernreiter, die Mutter unterrichtet spanisches Dressurreiten. Aber die wichtigsten Tricks hat sich Kenzie selbst beigebracht. Das war weniger Zauberei als geduldiges Zuschauen: Kenzie saß stundenlang auf der Weide und beobachtete die Pferde. Sie sah, wie sie sich mit winzigen Gesten verständigten. Wie Stuten ihr Fohlen nur durch Berührung mit dem Schweif antrieben. Sie bemerkte, wie heftig die Schultern von Pferden zuckten, als eine Fliege auf dem Fell landete. Kenzie begriff: Wenn Pferde so zartfühlend sind, dann kann man sie doch nicht mit Gerte und Gebrüll dressieren.

Inzwischen ist Kenzie Dysli weltweit berühmt für ihre sanfte Freiheits-Dressur: die Pferde gehorchen ihr freiwillig, weil sie Vertrauen haben. Seitdem sie 15 ist, tritt Kenzie bei großen Pferde-Ausstellungen in Europa und den USA auf. Und immer wird es mucksmäuschenstill, wenn die zierliche Reiterin ohne Zaumzeug und Sattel ihre Pferde lenkt, wenn feurige Hengste durch leichte Berührung mit der Hand eine Pirouette drehen oder Tanzschritte zeigen.

Klar, dass bald die Regisseurin von „Ostwind“ auf Kenzie aufmerksam wurde. 2012 lud sie ihre Rappen James und Atila in einen Transporter und fuhr 3000 Kilometer nach Deutschland zu den Dreharbeiten. Weil die zwei Pferde sich ähneln, konnten beide den Hengst „Ostwind“ darstellen. James spielte die ruhigen Szenen, der ungestüme Atila übernahm die wilden Auftritte. Kenzie bekam eine rote Perücke und wurde das Double für Mika – sie ersetzt häufig die Hauptdarstellerin, die nicht allzu gut reiten kann.

Panik unterm Hubschrauber

Ohne Kenzie hätte man die spannendsten Szenen nie drehen können. Oft wurde mit einer Hubschrauber-Kamera von oben gefilmt. Die Hengste gerieten in Panik, aber weil sie ihrer Trainerin vertrauten, gewöhnten sie sich an den Lärm.

Für „Ostwind 2“ brachte Kenzie Dysli vier Pferde mit. Weil diesmal eine geheimnisvolle weiße Stute auftaucht. Sie gehört einem ebenso geheimnisvollen Jungen, der im Wald lebt. Er verspricht, Mika zu helfen. Denn sie will ein Turnier gewinnen und mit dem Geld das Gestüt ihrer Oma retten. Kenzie bekam sogar eine eigene Rolle und spielt Mikas Konkurrentin bei dem Turnier – ausgerechnet eine zickige Dressur-Reiterin.

Eine schwere Zeit: Kenzie musste monatelang vier Pferde im Gewimmel vor den Kameras ruhig halten. Aber die Hengste haben brav mitgespielt. Mag sein, dass auch ein bisschen Zauberei dabei war ...

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