Das Buchstabier-Alphabet: Wie man nickelige Wörter überlistet

Wenn du beim Telefonieren etwas buchstabieren wills, hilft das Buchstabier-Alphabet.
Wenn du beim Telefonieren etwas buchstabieren wills, hilft das Buchstabier-Alphabet.
Foto: Getty/Grafik: Denise Ohms
Was wir bereits wissen
Die deutsche Sprache kann ziemlich schwierig sein. Damit man sich nicht verhört und verschreibt, wurde vor über hundert Jahren eine schlaue Liste erfunden

Das Problem ist mindestens so alt wie das Telefon. Manchmal versteht man ein Wort oder einen Namen nicht richtig, und dann muss man nachfragen: „Wie heißen Sie? Bröckel?“ „Nein, Blöcker!“ „Blödkopp??“ Spätestens jetzt sollte man den Namen buchstabieren. Aber das ist gar nicht so einfach, weil viele Buchstaben ähnlich klingen, wenn man sie einzeln ausspricht - zum Beispiel D, B oder G. Oder M und N.

Um Missverständnisse zu vermeiden, hat man sich einen Trick ausgedacht: Wer etwas buchstabieren will, sagt nicht den Buchstaben, sondern ein Wort, das mit diesem Buchstaben anfängt. Und damit Verwechslungen ausgeschlossen sind, wird für jeden Buchstaben immer das gleiche Wort benutzt. So entstand das Buchstabieralphabet, auch Telefonalphabet genannt, das wir rechts abgedruckt haben. „Cool!“ würde man danach Cäsar, Otto, Otto, Ludwig buchstabieren.

Siegfried vertreibt Samuel

Doch warum sind die Namen in diesem Alphabet so furchtbar altmodisch? Theodor, Gustav oder Wilhelm heißt in deiner Schulklasse wahrscheinlich niemand. Ganz einfach: Das Buchstabier-Alphabet wurde schon im Jahr 1903 erfunden. Damals waren „Ludwig“ und „Martha“ so häufig wie heute „Max“ und „Lena“. Die Telefonleitungen knackten und rauschten noch stark und man musste ständig etwas buchstabieren. Weil so viele Menschen das Telefonalphabet auswendig konnten, wurde es kaum verändert.

Erst im Jahr 1933 tauschte man einige Namen. Aus einem furchtbaren Grund. Die Nazis kamen an die Macht. Weil sie die Juden hassten, wollten sie nichtmal im Buchstabieralphabet jüdische Namen dulden. Deshalb wurden David, Jacob, Nathan, Samuel und Zacharias durch Dora, Julius, Nikolaus, Siegfried und Zeppelin ersetzt.

1983 hat man in Deutschland das Buchstabier-Alphabet überarbeitet und die jüdischen Namen Samuel und Zacharias wieder eingesetzt.

Heute sind die Telefonleitungen natürlich viel besser geworden, und man muss nicht ganz so oft buchstabieren. Viele Menschen kennen das Telefonalphabet gar nicht mehr. Das ist schade, weil es Missverständnisse verhindert. Gerade Schüler können es sehr gut für Diktate gebrauchen. Vielleicht habt ihr ja mal Langeweile in den Ferien und trefft euch zum Buchstabier-Wettbewerb...