Als Kind fütterte Oma Inge die Kaninchen mit der Flasche

Inge Timmerhaus (Jahrgang 1940, links) mit ihrer Mutter und ihrer Freundin Christa.
Inge Timmerhaus (Jahrgang 1940, links) mit ihrer Mutter und ihrer Freundin Christa.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
In der Serie „Oma & Opa, erzählt doch mal!“ erinnert sich Inge Timmerhaus daran, wie früher Hühner und Kaninchen in ihrem Garten lebten.

Als eure Großeltern klein waren, war das Leben in Deutschland ganz anders als heute. In einer neuen Serie schreiben Omas und Opas von früher. Heute erzählt Inge Timmerhaus von ihren Haustieren. Sie ist 74 Jahre alt und wohnt in der Stadt Gelsenkirchen:

„In den Jahren 1946 bis 1950 – damals war ich sechs bis zehn Jahre alt – konnte man nicht so viel zu essen kaufen. Man musste für Lebensmittel oft stundenlang in den Geschäften anstehen. In unserem Stall im Hof gackerten zehn Hühner, die Eier legten. Später, wenn sie älter waren, kamen sie in den Topf.

Henne pickte um sich

Einmal hatte meine Oma eine Glucke gesetzt. Das ist ein Huhn, das auf seinen Eiern so lange brütet, bis kleine Küken schlüpfen. Aus zwölf Eiern kamen aber nur sechs Küken, die anderen Eier waren unbefruchtet. Ein Nachbar gab uns fünf Küken von sich dazu, weil er zu viele hatte.

Die Hühnermutter wollte die fremden Küken aber nicht und pickte nach ihnen. Deshalb steckte Oma sie mit den Küken in einen Karton, den sie mit einer Decke verdunkelte. Aus Angst, sie könnte in der Dunkelheit ihre eigenen Kinder picken, war die Hühnermutter nun ganz lieb zu ihnen.

Die Hühner teilten sich den Platz im Stall mit sechs Kaninchen. Die Häsin hatte zu viele Junge bekommen, die sie gar nicht alle säugen konnte. Wir holten die Kleinen zweimal am Tag in einer Tasche in die Wohnung, wo wir sie mit Haferschleim aus einer kleinen Liebesperlenflasche fütterten. Als wir sie zurück in den Stall brachten, nahm die Mutter sie liebevoll in Empfang. Sie muss gemerkt haben, dass wir ihre Kleinen gefüttert hatten.“